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Donnerstag, 3. Februar 2022

Börsen-Interview Handelszeitung 03.02.22


Wie stark beschäftigt die Corona-Krise die Finanzmärkte noch?

Corona selbst ist weniger das Thema als die Inflation als Folge davon. Die Märkte sind mit der anziehenden Geldpolitik des US-Fed beschäftigt. Sie erwarten nun dieses Jahr fünf statt drei Zinserhöhungen. Höhere Zinsen drücken vor allem auf US-Wachstumsaktien und damit auf die besten Performer des letzten Jahres. Zahlreiche Marktteilnehmer sehen einen Wechsel von Growth zu Value Aktien. Für Aufregung sorgt zudem die Ukraine-Krise.

 

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?

Die Aktien sind vor zwei Wochen stark gefallen und haben wahrscheinlich nach unten überschossen. Ich denke, dass die Börse von diesem überverkauften Niveau kurzfristig Potential hat.

 

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?

Die Aktien des SMI sind auch nach der Korrektur immer noch stolz bewertet, weshalb wir nicht mit zweistelligen Kursgewinnen rechnen können. Zuviel Gutes wurde letztes Jahr vorweggenommen. Es besteht allerdings keine Alternative als in Aktien zu investieren. Ich rechne deshalb mit einer einstelligen Performance und einem Punktestand von etwa 12'700. 

 

Meta (vormals Facebook) ist nach Bekanntgabe der Quartalszahlen um 20% gefallen. Was ist geschehen?

Während die Zahlen des letzten Quartals gut waren, sind die Gewinnaussichten wegen starker Konkurrenz durch Tiktok und Google/YouTube gesunken. Hinzu kommt, dass 80% der iPhone-Nutzer das Tracking durch Apps abschalten. Erst in zwei bis drei Jahren hofft Meta mittels enormer Investitionen mit VR neues Wachstum zu generieren.

 

Mit dem Start der Olympischen Winterspiele ist China im Scheinwerferlicht der Weltöffentlichkeit. Sprechen wir statt über Sport über die Märkte: Empfiehlt es sich, auf China zu setzen?

China drosselt seine Wirtschaft wegen seiner Immobilienblase, weshalb sich chinesische Titel schlecht entwickelten. Hinzu kommen die mögliche Dekotierung der chinesischen Techaktien in den USA und der Regulierungsdruck des Techsektors in China. Die schwache Kreditvergabe hat sich zwar etwas verbessert, doch ist es noch zu früh, auf den chinesischen Markt zu setzen.

 

Die Energiepreise sind im Hoch. Wie können Anlegerinnen und Anleger von dieser Entwicklung profitieren?

Ölfirmen können aufgrund des hohen Ölpreises hohe Gewinne verzeichnen. Weiter wurden sie im Trend hin zu sauberer Energie abgestraft. Ihre Bewertungen sind deshalb sehr tief und sie verfügen über stolze Dividendenrenditen. Es spricht daher Vieles für ein Engagement über die kommenden Monate, allerdings fehlt das Potential für eine langfristig solide Performance. Ein Engagement erfolgt direkt in Aktien von BP, Exxon etc. oder über Sektor ETF. 

 

Wie attraktiv sind Schweizer Immobilienfonds und Immobilienaktien derzeit bewertet?

Was für eine Haltung empfehlen Sie zu Gold?

Immobilien sind heute basierend auf dem Zinsniveau fair bewertet. Es ist schwierig bei den heutigen Immobilienpreisen und den tiefen Renditen euphorisch zu sein. Auch bei Gold sehe ich wenig Potential, da der Goldpreis von der Entwicklung der Realzinsen (Nominalzins minus Inflation) abhängt. Der steigende Realzins (zurzeit negativ), könnte daher eher schlecht für den Goldpreis sein. Im Sinne einer Diversifikation sollte jedoch jeder Investor sowohl Immobilien als auch in geringeren Masse Gold halten.

 

Die Kryptowährung Bitcoin ist weiter unter Druck. Folgt nach dem Crash bald wieder ein Höhenflug des neuen Geldmittels?

Seit zwei Jahren korreliert Bitcoin stärker mit dem Aktienmarkt und ist damit von der Börsenstimmung abhängig. Heute bestimmen spekulative Anleger den Kurs, welche dem bekannten Muster der Finanzmärkte «risk on / risk off» folgen. Kurzfristig könnte Bitcoin daher Auftrieb erhalten. Es bleibt spannend die künftige, aber ungewisse Entwicklung zu verfolgen.

 






Freitag, 23. Juli 2021

Börseninterview 23.07.21 in der Handelszeitung

 https://www.handelszeitung.ch/geld/ich-setze-auf-europa-us-aktien-sind-sehr-hoch-bewertet


Europa, Nordamerika oder Asien - welche der drei Börsenregionen dürfte sich im zweiten Halbjahr am stärksten entwickeln?

Ich setze im zweiten Halbjahr auf Europa, weil erstens die Bewertungen hier tiefer sind und zweitens die Wiedereröffnung zu steigenden Unternehmensgewinnen führen werden. Die Aktien sind in den  USA sehr hoch bewertet und bieten weniger Potenzial. China dürfte aufgrund seiner restriktiven Fiskalpolitik die Entwicklung in Asien im zweiten Halbjahr bremsen, weshalb in den nächsten 6 Monaten keine grossen Kursgewinne in Asien zu erwarten sind.

Die Börsen weltweit sind sehr stolz bewertet. Ist es deshalb ratsam, von einer passiven Anlagestrategie (via ETFs) verstärkt in eine aktive Strategie (Einzelaktien) zu wechseln? Was für ein Vorgehen schlagen Sie vor?

Ein ETF auf den MSCI World, der von den USA dominiert wird, ist tatsächlich stolz bewertet. Der Anleger kann aber durchaus auf ETFs in günstigeren Märkten setzen, wie zum Beispiel von europäischen Börsen oder den Sektoren Industrie und Finanz. Natürlich kann er auch in attraktive Einzelaktien investieren, allerdings sollte er genügend Analyse betreiben und genügend diversifizieren.

Wie sollen junge Schweizerinnen und Schweizer zwischen 18 und 40 Jahren für das Alter sparen - beziehungsweise: Wie viel Gewicht sollten sie dabei auf Aktienanlagen legen?

Da Aktien langfristig die höchsten Renditen abwerfen, sollten junge Anleger und Anlegerinnen mit einem sehr langen Anlagehorizont soviel Aktien wie möglich halten (100%). Von Leverage würde ich hingegen abraten, weil in einem Crash auf der Talsohle wegen Margin Call alles liquidiert werden muss und der Rebound dann verpasst wird. Zuviel Market-Timing würde ich ebenfalls nicht empfehlen, da nicht nur der Verkaufszeitpunkt sondern auch der Wiedereintritt perfekt erwischt werden muss, was meist nicht gelingt.

Nennen Sie uns bitte drei Themen, auf die man an der Börse setzen könnte - und beschreiben Sie, wie Sie dabei vorgehen würden.

Beim Value-Ansatz setzt man auf tief bewertete Titel. Zurzeit  wären dies europäische Industrie- und Finanzwerte. Der Growth-Ansatz bevorzugt Technologietitel vor allem in den USA. Ein anderes Thema ist die Überalterung der Gesellschaft, welches Chancen für den Gesundheitssektor bietet. Man kann alle diese Themen mittels ETFs, aktiven Fonds oder Einzeltitel umsetzen: Europäische Titel als Value-Play, Nasdaq-Titel als Growth-Play und Pharma- und US-Biotech-Titel für den demographischen Trend.

Wie stark beschäftigt die Corona-Krise die Finanzmärkte?

Global steigende Fallzahlen bereiten den Finanzmärkten zurzeit Sorgen, doch dank der Impfung sind die Folgen bisher gering (wenige Hospitalisationen und Todesfälle). Der wirtschaftliche Aufschwung ist damit vorerst nicht in Gefahr. Aber auch ein zu starker Aufschwung könnte Probleme mit sich bringen: Eine Überhitzung würde zu Inflation und höheren Zinsen führen. Zurzeit verzeichnet die USA einen starken Preisanstieg, es wird sich zeigen ob dieser vorübergehend ist. 


Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?

Trotz den jüngsten Korrekturen bin ich grundsätzlich positiv gestimmt. In den kommenden Sommerwochen wird das Handelsvolumen jedoch tief sein. Die täglichen Schwankungen können sehr gering sein, es ist aber auch möglich, dass kleine Transaktionsvolumen zu grosser Volatilität führen. 


Wo steht der SMI in zwölf Monaten?


Wir dürften in einem Jahr 12‘700 Punkte erreichen, obwohl heute die Kurse stolz bewertet sind. Treiber werden steigende Unternehmensgewinne sein, welche durch die Öffnung der Wirtschaft, hohe Ersparnisse und aufgestaute Nachfrage ermöglicht werden. Steigende Inflation und Zinsen oder erneute Lockdowns könnten den Aufschwung gefährden.


Freitag, 25. September 2020

Börseninterview 25.09.2020 Handelszeitung

https://www.handelszeitung.ch/unternehmen/ubs-interessanter-ware-ein-zusammengehen-mit-barclays

Wie stark beschäftigt die Corona-Krise die Finanzmärkte?

Die Märkte haben anfangs Woche nervös auf die steigende Zahl der Corona-Fälle in Europa reagiert. Zudem lässt das Stimuluspaket der US-Regierung auf sich warten. Nach einer Beruhigung hat sich der Fokus dann auf die hochbewerteten Technologie-Aktien verschoben, bei welchen nach Enttäuschungen Verluste hingenommen werden mussten.

 

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?

Die Schweizer Börse dürfte sich kurzfristig - trotz der Unsicherheiten und den hohen Bewertungen - seitwärts bewegen, da sie durch das grosse Gewicht an Pharma- und Nahrungsmittelwerten einen defensiven Charakter hat.

 

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?

Die Notenbanken werden die Märkte weiterhin mit viel Liquidität unterstützen, und ermöglichen so hohe Bewertungen. Viel hängt weiter von der Entwicklung der Pandemie und den fiskalischen Unterstützungsprogrammen ab. Vorausgesetzt wir haben 2021 einen wirkungsvollen Impfstoff zur Verfügung und die Wirtschaft wird weiter gestützt, werden wir 11‘000 Punkte in einem Jahr überschreiten.

 

Der E-LKW-Hersteller Nikola ist an der Börse auf Abwärtskurs. Wie schlimm steht es um den zum Tesla-Rivalen stilisierten US-Konzern?

Der Vorwurf, dass Nikola über keinerlei Technologie verfügt, konnte bislang nicht entkräftet werden und inzwischen ermittelt auch die SEC. Positiv ist, dass der umstrittene Präsident Trevor Milton zurücktrat und seine Stelle ein Ex-Manager von GM übernahm. Partner GM bestätigt zudem, dass sie Nikola eingehend geprüft hätten. Sollten GM und andere Partner wie Bosch jedoch das Vertrauen verlieren, wären die Aussichten für Nikola sehr schlecht.

 

Der Sommer ist vorbei, wir steuern auf das Jahresende zu. Wie düster ist die Zwischenbilanz nach einem halben Jahr Pandemie – wie präsentiert sich die Situation an Börsen, in Unternehmen und in der Gesamtwirtschaft?

Die Börsen wurden durch die Liquitätsschwemme der Zentralbanken beflügelt und haben sich gut erholt. Wie erwähnt ist die Wirtschaft noch auf staatliche Unterstützung angewiesen, wobei die wirtschaftliche Situation je nach Branche unterschiedlich ist: Die IT-Unternehmen haben von der Pandemie profitiert, während die Industrie nach dem tiefen Einbruch wieder an Schwung gewinnt. Die Reise- und Event-Branche werden sich hingegen nicht so schnell erholen.

 

Die Führung der UBS liebäugelt mit einer Fusion oder einer Übernahme einer anderen Grossbank – als Kandidatinnen kommen offenbar die Credit Suisse, Deutsche Bank, Barclays und weitere infrage.
Wie wahrscheinlich ist eine solcher Mega-Deal der grössten Schweizer Bank?

Eine Fusion von UBS und Credit Suisse würde für die Schweiz ein grosses Klumpenrisiko darstellen, weshalb die Finma für die neue Bank mehr Eigenkapital vorschreiben dürfte. Dazu kommen noch wettbewerbspolitische Einwände. Die Deutsche Bank ist vor allem im volatilen Investment Banking tätig, welches die UBS in den letzten zehn Jahren stark abgebaut hat. Interessanter wäre ein Zusammengehen mit Barclays, welche breiter aufgestellt ist und die UBS besser ergänzen würde.

 

Welche Mischung sollte das Portfolio einer durchschnittlichen Anlegerin heute aufweisen – wie viel Platz räumen Sie den Aktien ein, wie würden Sie Gold, Immobilien und Obligationen gewichten?

Eine Anlegerin mit einem Anlagehorizont von sieben bis zehn Jahren sollte einen wesentlichen Anteil in Sachwerte investieren, da diese langfristig das grösste Wachstum generieren: Aktien 50%, Immobilien 5% und Gold 5%. Obligationen, früher der stabile Kern eines Portefeuilles, müssen mit 20% stark untergewichtet werden, da deren Rendite-/Risikoverhältnis heute sehr ungünstig ist. Der Anteil an Liquidität ist daher mit 20% entsprechend hoch.

 

 

Freitag, 4. Oktober 2019

Börseninterview 4. Oktober 2019

https://www.handelszeitung.ch/geld/als-kurzfristige-trading-idee-sind-die-banktitel-attraktiv


Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Zurzeit lasten geopolitische Risiken wie Brexit, Handelskrieg und Konflikt im Mittleren Osten auf den Finanzmärkten. Zudem hat sich das globale Wachstum etwas abgeschwächt. Investoren fliehen deshalb in Staatsanleihen und den US-Dollar, während sie Aktien und den Euro meiden.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Kurzfristig dürfte sich die Börse seitwärts bewegen, denn die Schweizer Börse hat erstens seit Jahresbeginn enorm zugelegt und zweitens ist die Stimmung aufgrund des negativen Nachrichtenflusses schlecht. Korrekturen wie wir sie Ende 2018 erlebt haben, sind deshalb nicht auszuschliessen, insbesondere in Anbetracht der aktuellen Risiken. Ich rechne aber nicht mit einem Oktober-Crash, da das wirtschaftliche Umfeld noch solide ist.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Der SMI hat durch sein hohes Gewicht an Titeln wie Nestlé, Novartis und Roche einen defensiven Charakter. Trotz den Schwierigkeiten dürfte er daher bei 10‘500 in einem Jahr schliessen.

Die Schweizer Bankentitel legen zu – die UBS war die beste SMI-Aktie im September. Wie erklären Sie sich das?
Die Bankentitel sind infolge der schlechten Kursentwicklung der letzten Jahre stark gedrückt, weil Negativzinsen schwer auf den Erträgen lasten und die Branche zusätzlich geringe Wachstumschancen bietet. Die UBS-Aktie war bis August so tief gesunken, dass eine Gegenbewegung einsetzen musste. Mit einer aktuellen Dividendenrendite von 6.4% und einem Preis-/Buchverhältnis von 0.75 ist die UBS Aktie auch nach dem Anstieg im September immer noch sehr günstig.

Soll man also wieder auf Bankentitel setzen?
Aus heutigem Blickwinkel kann langfristig leider nur wenig Gewinnwachstum erwartet werden. Als kurzfristige Trading-Idee sind die Banktitel aufgrund der tiefen Bewertung durchaus attraktiv. Die Dividendenrendite der UBS AG von 6.4% bietet zudem eine stattliche Risikoprämie.

Führende Ökonomen zeichnen ein düsteres Bild der Weltwirtschaft. Geht der Abschwung nun in den kommenden Monaten richtig los?
Bislang hat der Abschwung vor allem in der Industrieproduktion stattgefunden, der grössere Dienstleistungssektor entwickelte sich positiv. Die Verschärfung des Handelskonfliktes würde der Wirtschaft global aber weiter zusetzen und einen breiten Abschwung auslösen. Die drohende Arbeitslosigkeit sollte den Regierungen Anreiz geben, dies zu verhindern. Mit Fiskalpolitik wie Infrastrukturprogrammen in China, USA und Deutschland könnte die Wirtschaft zusätzlich gestützt und die Produktivität erhöht werden.

Die EU rechnet noch im Oktober mit neuen US-Strafzöllen. Was sind die Auswirkungen für die Schweiz?
Strafzölle auf europäische Industriegüter und insbesondere auf Automobile wären schlecht für die Schweiz, da zahlreiche inländische Zulieferer die Konsequenzen von tieferen Verkaufszahlen und höherem Preisdruck spüren würden. Langfristig sollte Europa jedoch weniger unter zunehmenden Druck geraten als China, da die US-Bevölkerung Europa im Gegensatz zu China nicht als unfairen Wettbewerber sieht. Der politische Rückhalt wäre nicht gegeben.

Freitag, 19. Juli 2019

Börseninterview in der Handelszeitung 19.07.2019

https://www.handelszeitung.ch/invest/nestles-kurs-durfte-bis-ende-jahr-nur-noch-wenig-zulegen

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Die Finanzmärkte wurden durch schwächere Wirtschaftszahlen belastet und daraufhin durch eine expansive Geldpolitik der Zentralbanken massiv unterstützt. Es gilt zusätzlich zu beachten, dass politische Risiken bestehen: Der Handelskonflikt der USA mit diversen Handelspartnern und der Konflikt der USA mit Iran könnten jederzeit wieder aufflammen.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Nach der Kursrallye vom Juni erwarte ich nun kurzfristig eine Seitwärtsbewegung der Schweizer Börse. Politische Risiken können immer wieder für Volatilität sorgen. Jedoch sehe ich aufgrund der global lockeren Geldpolitik keinen Grund für grosse Kurseinbrüche.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
In Anbetracht dessen, dass der SMI heute schon nahe der 10'000 Marke notiert, erwarte ich, dass er in einem Jahr bei 10‘500 Punkten zu liegen kommt. Die hohen Kurse begrenzen höheres Wachstum in der Zukunft.

Nächste Woche wird Nestlé die Halbjahreszahlen vorlegen. Wird es dem Nahrungsmittelkonzern gelingen, die hohen Erwartungen zu erfüllen? Seit Jahresanfang ist der Kurs um fast dreissig Prozent gestiegen.
Nestlé konnte im Vergleich zu anderen Nahrungsmittelkonzernen durch stetige Produktinnovation und Markenpflege kontinuierlich wachsen. Es wird ein organisches Umsatzwachstum von über 3 Prozent und eine EBIT-Marge von 17,5 Prozent bis 18,5 Prozent prognostiziert. Ich erwarte daher, dass der Konzern diese Erwartungen erfüllen kann. Der Kurs dürfte jedoch bis Ende Jahr nur noch wenig zulegen. Allenfalls könnte der Verkauf der Beteiligung an L’Oréal den Nestlé-Kurs um 5 Prozent ansteigen lassen.

Tesla hat im letzten Quartal fast achtzigtausend Autos vom Model 3 ausgeliefert. Erreicht der E-Auto-Hersteller seine hochgesteckten Geschäftsziele?
Tesla dürfte seine Ziele bezüglich Produktion erreichen. Allerdings deuten die kürzlich vorgenommenen Preisreduktionen daraufhin, dass die Nachfrage stimuliert werden musste, weil in den USA die Steuergutschrift beim Kauf von Elektrofahrzeugen reduziert wurde und traditionelle Autokonzerne nun auch mit Elektrofahrzeugen konkurrenzieren. Es ist daher möglich, dass Tesla trotz gesteigerter Produktion die Gewinnziele verfehlt.

Die globale Autoindustrie ist unter Druck. Was heisst dies für die Schweizer Zulieferfirmen, beispielsweise Autoneum oder Feintool?
Die europäische Autoindustrie hat in den vergangen zwei Jahren massiv unter dem Dieselskandal gelitten und damit auch die Schweizer Zulieferer schwer belastet. Nachdem sich die Konsumenten zurückhielten, werden sie ihren aufgestauten Bedarf wieder decken müssen. Natürlich verfügen aber Hybrid- und Elektrofahrzeuge über ein höheres Wachstum als herkömmliche Fahrzeuge. Es ist daher wichtig, dass die Zulieferer ihr Angebot entsprechend ausrichten.

Chinas Wirtschaft wächst so langsam wie seit 27 Jahren nicht mehr. Wie stark belastet die Schwäche der zweitgrössten Volkswirtschaft die globale Konjunktur?
Chinas derzeitige Wachstumsschwäche belastet aufgrund gesunkener Importe vor allem andere Schwellenländer, Japan und Europa. Allerdings fördert die chinesische Führung das Kreditwachstum massiv und könnte, sofern der Stimulus greift, bald wieder globale Wachstumsimpulse liefern.




Montag, 18. März 2019

Larry Fink Interview in der NZZ

Das Interview vom 18.03.2019 ist sehr aufschlussreich:

Nach einem volatilen Jahr 2018 haben wir in den vergangenen Wochen ein starkes Rally an den Börsen gesehen. Wieso?
Die Märkte sind in guter Verfassung. Zunächst hat der Handelskonflikt für eine gewisse Volatilität gesorgt, dann die Unwägbarkeiten in der Euro-Zone und schliesslich auch das abnehmende Wachstum in den USA. Im ersten Quartal 2018 waren die Marktteilnehmer etwas zu enthusiastisch, dafür im vierten viel zu pessimistisch. Nun sind die Aktien wahrscheinlich fair bewertet. Generell ist meine wichtigste Botschaft an Investoren: «Achtet auf euer fernes Anlageziel und weniger auf das kurzfristige Auf und Ab.» Ich bin ein langfristig ausgerichteter Optimist.
Der jetzige Bullenmarkt ist mit einer Dauer von zehn Jahren einer der längsten der Geschichte. Kann es immer weitergehen?
Darüber mögen viele Anleger reden. Aber ist es wirklich relevant, dass die Kurse an der Börse kurzfristig um 15 oder 20% fallen können, wenn der Anlagehorizont 30 Jahre beträgt? Spart man langfristig für die Altersvorsorge, ist es letztlich egal. Tatsächlich haben die massiven Kursverluste in der Finanzkrise Raum gelassen für eine längerfristige Erholung. Zudem wird die Weltwirtschaft immer stärker von Asien getrieben, wo viele Länder weiterhin beachtlich wachsen. Möglicherweise nähern wir uns dem Ende des Zyklus, aber ich kann nicht sagen, wann es so weit ist.
Welche Rolle spielen die Zentralbanken, die ihren Kurs in wenigen Wochen völlig verändert haben?
Sie fokussieren sich auf die niedrige Inflation. Das Fed rückt nicht weiter von der aggressiven Krisenpolitik ab und wird die Bilanz wohl nicht weiter verkürzen. Die Institution ist aber in einer besseren Lage als die sehr expansiv gebliebene Europäische Zentralbank. Was kann diese überhaupt noch tun, wenn sich das Wachstum in Europa abschwächt? Vor der Krise hat sich kaum jemand für die Zentralbanken interessiert, und auch künftig könnte das wieder so sein. Dagegen bereitet der zunehmende Populismus Sorgen.
Vor allem in Europa?
O nein, weltweit – auch in der US-Politik. Präsident Donald Trump ist auf dem internationalen Parkett kein Moderator mehr, wie das seine Vorgänger waren. Das ist sicher ein bedeutender Wandel in der Weltpolitik. Wir wissen nicht, ob er zu einem guten oder einem schlechten Ergebnis führt, die Verunsicherung ist gross. Verhandlungen zwischen den USA und Mexiko sowie Kanada führten zu harmlosen Änderungen in den Handelsabkommen, in Bezug auf China dürfte es zu einer Lösung kommen, weil beide Seiten eine Lösung brauchen – und dann ist Europa an der Reihe.
Wie sehen Sie Trumps China-Strategie?
Viele sagen, China habe im Handel unfaire Praktiken angewandt. Folglich ist Präsident Trump aggressiv aufgetreten. Sollte ein Handelsabkommen geschlossen werden, in dessen Rahmen China mehr amerikanische Produkte ordern würde, wäre das ein grosser Erfolg für Trump – ob man ihn mag oder nicht.
Was halten Sie von Trumps Wirtschafts- und Finanzpolitik?
Meine Gefühle sind gemischt. Die USA brauchten eine Unternehmenssteuerreform. Wir zählten zu den Ländern mit den höchsten Sätzen der Welt, nun haben wir diesen auf den OECD-Durchschnitt von 21% gesenkt. Besser wäre gewesen, ihn weniger stark zu senken und dafür mehr in die Infrastruktur zu investieren – eine der grossen Schwächen der USA.
Die US-Finanzpolitik ist sehr expansiv. Geraten die Staatsschulden ausser Kontrolle?
Die Defizite, die die US-Regierung anhäuft, könnten zu einem sehr ernsten Problem werden. Der US-Haushalt hat ein Defizit von rund 1 Bio. $ pro Jahr, ausstehende Schuldpapiere haben ein Volumen von 22 Bio. $. Es könnte eine Zeit kommen, in der das Angebot an Staatsanleihen grösser ist als die Nachfrage. Dies könnte Probleme für die US-Wirtschaft zur Folge haben. Sollten China und die USA ein Abkommen unterschreiben, das zum Kauf von mehr US-Produkten führt, könnte sich das US-Handelsdefizit verringern oder gar auflösen. Plötzlich würde China die 5% amerikanischer Staatsanleihen nicht mehr brauchen, die das Land momentan hält. Die Frage ist, ob dies zu einer Situation führen könnte, in der die US-Zinsen auf ein höheres Niveau steigen, als die Weltwirtschaft verkraftet. Höhere US-Zinsen würden den Dollar stärken, was wiederum die Schwellenländer und die amerikanische Wettbewerbsfähigkeit schwächen würde. Dies könnte erhebliche Auswirkungen haben.
Deutet etwas darauf hin, dass der Dollar den Status als Reservewährung verliert?
Nein, überhaupt nicht. Europäische Konzernchefs mögen auf eine Konkurrenzwährung zum Dollar hoffen, vielleicht sogar auf den Yuan. In naher Zukunft wird dies aber nicht passieren.
Wie interpretieren Sie die jüngste 180-Grad-Drehung des Fed?
Ich glaube, es ist nur eine Modifizierung der Strategie. Sollte die US-Wirtschaft um 3,5% wachsen, wird das Fed die Leitzinsen weiter erhöhen. Wenn nicht, wird es etwas länger abwarten. Von Letzterem gehe ich im Moment aus.
Übte Präsident Trump mit seiner Kritik an Jerome Powell Druck auf das Fed aus?
Nein, das hatte keinen Effekt.
Sind negative Zinsen von bis zu –6%, wie vom Harvard-Ökonomen Kenneth Rogoff vorgeschlagen, eine Option, um die Wirtschaft in der nächsten Krise zu stimulieren?
Negative Zinsen in den USA würden die Aktienkurse in den Himmel schiessen lassen und zu einer riesigen Blase führen. Das wäre aus meiner Sicht kein gutes Ergebnis.
Hat die Politik der Zentralbanken mit den Negativzinsen in der Euro-Zone und der Schweiz die Märkte nicht total verzerrt?
Niedrige Zinsen haben ohne Frage eine verstärkte Nachfrage nach Aktien geschaffen. Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse sind aber nicht übertrieben hoch. In Europa besteht ein Grundproblem darin, dass die Bürger zu viel Geld auf ihren Bankkonten liegen haben. Wenn die Europäer in den vergangenen dreissig Jahren mehr und systematischer in Aktien und Obligationen investiert hätten, wäre es auch besser um die europäische Wirtschaft bestellt. Nehmen Sie als Beispiel die Schweiz, hier gibt es phantastische Industrieunternehmen. Ein Investor, der sich vor Jahren ein Portfolio entsprechender Aktien aufgebaut hat, steht heute gut da. Besser, als wenn er sein Geld auf der Bank parkiert hätte. So viele Leute bewundern Warren Buffett, aber kaum jemand investiert wie er.
Haben die Europäer ein Mentalitätsproblem?
Sie sind kurzfristiger orientiert als die Amerikaner und als viele andere Nationalitäten, wenn es ums Investieren geht. Das ist wohl die Folge einer langen Serie von Ereignissen in der Vergangenheit. Immerhin haben manche eine gute Pensionskasse.
. . . in der Schweiz zumindest.
Ja, wir wünschten, wir hätten ein ähnliches System.
Viele Europäer betrachten skeptisch, welche Rolle die Europäische Zentralbank in den vergangenen Jahren gespielt hat.
Die EZB hat einen phantastischen Job gemacht – einen besseren als die europäischen Regierungen. Europa hat einfach immer spät gehandelt. Die EZB hat im Jahr 2011 noch vorübergehend den Leitzins erhöht, und die Bankenstresstests kamen erst spät. Die amerikanische Notenbank war viel aggressiver. Europa ist nicht so robust wie die USA und Grossbritannien. Die wirtschaftlichen Folgen des Brexits wären in Grossbritannien viel grösser, wenn sich der Wechselkurs der eigenen Währung nicht an die Gegebenheiten anpassen könnte.
Müssen wir angesichts der demografischen Entwicklung und der tiefen Zinsen mit einer Rentenkrise rechnen?
Nein, wir stecken bereits mittendrin – auch wenn es die Regierungen noch nicht unmittelbar tangiert. Die Sorge, nicht gut genug auf die Alterung der Bevölkerung vorbereitet zu sein, geht vor allem in den USA, Grossbritannien und Teilen Europas um. Die Unternehmen haben die Mitarbeitenden bei der Vorbereitung auf die Pension nicht genügend unterstützt. Pensionskassen sind weitgehend unterinvestiert und halten zu wenige Aktien in ihren Portfolios. Sie erwirtschaften für die Begünstigten nicht die Renditen, die erforderlich sind, damit die Menschen in Würde in den Ruhestand gehen können. Wir arbeiten mit Microsoft und Versicherungsgesellschaften zusammen, um das Konzept der privaten Altersvorsorge neu zu definieren. Technologische Lösungen sollen dazu beitragen, das notwendige Wissen zu verbreiten – vor allem auch unter den Millennials. Ich glaube, die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes hängt stark davon ab, wie angemessen und wie verlässlich das Pensionssystem ist. Möglicherweise hängt sogar der aufkommende Populismus mit der Sorge darüber zusammen, dass Menschen länger leben, als ihre Ersparnisse ausreichen.
Lassen Sie uns nun über Blackrock reden. Wird die Erfolgsgeschichte der vergangenen Jahre weitergehen?
Ich war selten so zuversichtlich im Hinblick auf die Zukunft des Unternehmens wie heute. Wir haben es darauf ausgerichtet, sich in den Dienst der langfristigen Ziele der Kunden zu stellen, und dieses Angebot stösst weltweit weiterhin auf eine starke Nachfrage. Auch wenn ich davon ausgehe, die kommenden Jahre an Bord zu bleiben, werde ich das Unternehmen nicht bis in alle Ewigkeit leiten. Um langfristig erfolgreich zu sein, müssen sich Vermögensverwalter darauf konzentrieren, was die Kunden eigentlich wollen und brauchen. Viele sind zu stark auf einzelne Produkte ausgerichtet. Es geht aber darum, Kundenbedürfnisse gesamtheitlich zu verstehen und den Kunden zu helfen. Was die Zukunft anbelangt, setzt Blackrock auf die Weiterentwicklung der Technologie. Wir werden in den nächsten Wochen einige Initiativen in diesem Bereich ankündigen. Wir profitieren von unserem selbstentwickelten Datenanalysesystem Aladdin, das wir auch anderen Häusern anbieten, etwa der Credit Suisse. Aladdin wird zur Infrastruktur im Investmentgeschäft.
Die Umschichtung von aktiv verwalteten Mitteln in passive Anlageformen trug zum Wachstum bei.
Dieser Trend wird sich beschleunigen.
Ist das eine nachhaltige Entwicklung? Selbst das New Yorker Fed brachte eine Studie heraus, in der die Sorge über mögliche Notverkäufe im Krisenfall durchschimmerte . . .
Dieses Paper sagte aber auch, dass ETF aufgrund der eingebauten «Sicherheitsventile» sicherer seien als andere Anlagefonds. Tatsächlich gibt es Eigenschaften von ETF, die solche Probleme viel unwahrscheinlicher machen als bei Anlagefonds. Bei ETF können Investoren die Preisfindung in Echtzeit verfolgen, während bei Anlagefonds die Bücher nur einmal am Tag in Übereinstimmung gebracht werden. Das Prozedere ist intransparenter als bei ETF. Das ETF-Geschäft wird aus drei Gründen weiterwachsen. Erstens verstehen die Kunden die Produkte immer besser, etwa auch, was die steuerliche Behandlung anbelangt. Zweitens hatten die aktiv verwalteten Fonds ein furchtbares Jahr 2018. Drittens verwenden immer mehr Anleger, Zentralbanken und Staatsfonds die ETF, um ihre Vermögen aktiv zu verwalten. Wollen sie zum Beispiel auf steigende Aktienkurse in China setzen, können sie das mit ETF tun.
Ist es vernünftig, dass immer mehr Indizes und ETF auf den Markt kommen?
Nein. Es gibt inzwischen Tausende ETF, aber nur ein Bruchteil davon ist für Anleger wirklich relevant. 15% der ETF sind für 95% des gesamten ETF-Handelsvolumens verantwortlich.
Was planen Sie in der Schweiz?
Wir lieben das Land. Wir haben Vorstandsmitglieder in der Schweiz, ich selbst habe bei der Credit Suisse gearbeitet – so gesehen, ist die Schweiz ein Teil von Blackrock. Wachsen wollen wir hierzulande organisch, und wir sehen vielfältige Möglichkeiten, zum Beispiel bei Pensionskassen.
Sie sprachen über den langfristigen Anlagehorizont. Wie passt das zusammen mit dem Quartalsdenken in der Firmenwelt?
Es gibt viele Hindernisse oder Ablenkungen beim langfristigen Investieren. Die Medien sind auf die kurze Sicht ausgerichtet. Das Gleiche gilt für viele Regierungen. Und auch die Unternehmenswelt ist schuld, doch die Unternehmen werden in diesem Punkt immer besser, nicht schlechter. Zweifellos haben Firmen mit einer langfristig orientierten Strategie die beste Performance. Eine Strategie ist nicht in Stein gemeisselt, aber sie dient zur Ausrichtung wie zum Beispiel der Polarstern in der Navigation. Es geht darum, trotz kurzfristigem Lärm das langfristige Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Wir haben eine Reihe von Veränderungen gesehen, die von den Auswirkungen meines Briefes an CEO beeinflusst wurden. Unternehmen beginnen, ihren Zweck klarer und mit mehr Entschlossenheit zu formulieren. Das ist sehr ermutigend.

Freitag, 1. März 2019

Börseninterview Handelszeitung

Börseninterview Handelszeitung 1. März 2019

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Die Märkte sind aufgrund der Entspannung im Handelsstreit China / USA und durch Britanniens Abrücken von einem «No deal»-Brexit positiv gestimmt. Zudem hat Fed-Chef Powell signalisiert, dass in den kommenden Monaten keine Zinserhöhungen zu erwarten sind.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Nach dem Einbruch im Dezember ist die Börse, unterstützt durch positive Meldungen, in einem Aufwärtstrend. Dieser dürfte noch einige Wochen anhalten. Ich rechne deshalb kurzfristig mit steigenden Notierungen.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Ende letzten Jahres wurde befürchtet, dass in den nächsten Monaten eine markante Abschwächung des globalen Wachstums einsetzen würde. Es hat sich gezeigt, dass die Ängste übertrieben waren und wir sogar ein stärkeres Wachstum in der zweiten Hälfte dieses Jahres erwarten können. Der SMI dürfte 10‘000 Punkte in den nächsten zwölf Monaten überschreiten, wobei die hohen Bewertungen auch immer wieder zu Nervosität an den Märkten führen werden.

Nun unterstützt auch die oppositionelle Labour-Partei in Grossbritannien eine zweite Abstimmung über den Brexit. Was beutet diese Kehrtwende für die britische Wirtschaft?
Diese Kehrtwende ist sicherlich positiv für die Wirtschaft zu werten. Es erhöht den Druck auf die Politik, endlich eine Lösung zu finden: Sei es über eine erneute Abstimmung oder sei es durch die Akzeptanz eines Deals von Theresa May. Dadurch schwindet die Wahrscheinlichkeit eines schädlichen «No deal»-Brexit, welcher aufgrund seiner negativen wirtschaftlichen Folgen niemandem dienen würde.

US-Präsident Donald Trump will nun doch nicht neue Zölle auf chinesische Produkte erlassen. Wird diese Entspannung im US-chinesischen Handelsstreit andauern?
Aus wahltaktischen Gründen braucht Präsident Trump für 2020 ein neues Abkommen, welches er seinen Wählern als Erfolg präsentieren kann. Der Höhepunkt des Handelsstreits liegt deshalb hinter uns und eine allmähliche Entspannung dürfte einsetzen.

Der Ölpreis hat sich seit Jahresanfang um rund 20 Prozent erhöht – was US-Präsident Donald Trump Sorge bereitet. Wird sich der Rohstoff weiter verteuern?
Ich rechne aus folgenden Gründen mit steigenden Notierungen: Das Angebot wird durch die Krise in Venezuela limitiert. Zudem werden die Sanktionen der USA gegen Iran noch nicht voll umgesetzt. Im Gegenzug dürfte sich die Nachfrage durch die anziehende chinesische Wirtschaft im Laufe des Jahres erhöhen.

Mit Alcon nimmt bald ein Grossunternehmen den Handel an der Schweizer Börse auf. Was halten Sie vom Börsengang der Novartis-Tochter?
Der Spin-off von Alcon ist eine elegante Lösung für ein altes Problem von Novartis: Sie ist damit ihr Sorgenkind endlich los, erzielt einen guten Erlös und kann sich auf ihr Kerngeschäft, die Entwicklung innovativer Medikamente, konzentrieren. Auch für Alcon ist dies ein Befreiungsschlag, denn sie ist nun frei in ihren Entscheidungen und kann sich zum Beispiel nach strategischen Partnern umsehen. Die Aktionäre von Novartis profitieren von Ausschüttungen in Form von Aktienrückkäufen. Damit ist allen beteiligten Parteien gedient.

Freitag, 11. August 2017

Märkte vergessen Nordkorea-Unruhe bald




Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Die letzten Tage wurden getrübt durch zunehmende geopolitische Risiken. Die schwache Führung des Präsidenten der Weltmacht USA öffnet verschiedenen regionalen Akteuren das Spielfeld, um ihren Machtbereich auszudehnen. Das dreiste Verhalten von Nordkorea ist in diesem Kontext zu sehen. Weiter kristallisiert sich das Ende der QE-Programme heraus: Neben der US Fed wird auch die EZB ihre Bilanz zurückfahren. Um die Märkte nicht zu belasten, werden die Notenbanken jedoch diesen Prozess über viele Jahre hinziehen.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Ich bin positiv gestimmt: Die geopolitischen Spannungen werden keinen nachhaltigen Effekt auf die Finanzmärkte haben und bald vergessen sein. Auch werden die hohen Bewertungen der Aktien und die künftige restriktivere Geldpolitik die Märkte in den nächsten Wochen noch nicht belasten. Hingegen unterstützen positive Meldungen aus der Wirtschaft eine Erholung nach den Einbussen der letzten Woche.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Die hohen Bewertungen der Schwergewichte Nestlé, Novartis und Roche könnten in den kommenden Monaten den SMI zurückbinden. Zudem kann die tiefere Notenbankliquidität die Finanzmärkte zusätzlich belasten, denn eine zu hastige Rückführung der Notenbankbilanzen würde den Märkten Liquidität entziehen. Ich glaube daher, dass wir in den nächsten Monaten mit höherer Volatilität rechnen müssen, der SMI aber in einem Jahr immer noch um 9000 Punkten notieren wird. Eine grössere Korrektur erwarte ich aufgrund soliden Gewinnwachstums nicht.


Landis+Gyr, Idorsia und Co.: Wer ist Ihr Liebling unter den Neulingen an der Schweizer Börse?
Da ich Schweizer Industriewerten hohes Kurspotenzial wegen der guten Konjunktur und des schwächeren Frankens zuschreibe, ist Landis+Gyr, führend in Stromnetz-Technologie, mein Favorit. Das Unternehmen dürfte zudem vom hohen Investitionsbedarf der europäischen Stromversorger profitieren. Das etwas hohe Kursgewinnverhältnis von Landis+Gyr birgt allerdings ein Enttäuschungspotenzial, sollten sich die hohen Erwartungen nicht materialisieren.


Zuletzt galt die ganze Aufmerksamkeit dem Euro-Franken-Kurs. Wie lässt sich mit Währungsschwankungen am besten Geld verdienen?
Schweizer Small- und Mid-Caps, die in der Schweiz produzieren und in die EU exportieren, profitieren am meisten vom günstigen Franken. Um unternehmensspezifische Risiken zu minimieren, investieren wir mittels eines ETF auf den SMI Midcap Index (SMIM).

Im September passt die SIX den SMI an – Titel werden auf maximal 18 Prozent der Gewichtung zurückgebunden. Müssen Investoren auf die Neuerung reagieren?
Diese Massnahme könnte die Kursentwicklung von Nestlé und Novartis, deren Gewicht im SMI über 18% liegt, beeinträchtigen. Die SIX hat jedoch die Änderung der Index-Regeln schon vor Monaten publiziert, sodass diese Information längst im Kurs enthalten sein dürfte. Ich glaube nicht, dass man sich deswegen sorgen müsste.

Welche Anlageklasse könnte im zweiten Halbjahr 2017 überraschend gut abschneiden?
Zyklische Aktien aus Europa und Japan werden sich gut entwickeln. Ihre Bewertung ist im Vergleich zu den USA niedrig und ihre Gewinne profitieren vom guten globalen Wirtschaftswachstum. Zu diesen Zyklikern gehören Banken- und Industriewerte.

Was ist Ihr Top-Tipp für das zweite Halbjahr 2017?
Ich setze auf Titel der erwähnten Branchen. Um günstig und diversifiziert zu investieren, empfehle ich, auf Länder-ETF zu setzen, in welchen die Sektoren Banken und Industrie übergewichtet sind: Im deutschen Aktienmarkt (DAX und MDAX) sind Industriewerte stark vertreten, mittlere Schweizer Unternehmen (SMIM) und europäische Bluechips (Euro Stoxx 50) haben ein Übergewicht in Finanz- und Industriewerten.


Montag, 20. Juni 2016

Interview: Verhalten positiv gestimmt für den SMI, negativ für Staatsanleihen und positiv für Gold

Interview auf finanzen.ch vom 20.06.2016

  • Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
    Die Finanzmärkte werden weiterhin vom möglichen Brexit dominiert. Das verbreitet Unsicherheit an den Märkten und verursacht eine Flucht in sichere Werte. Die Zinsen sind deswegen in Europa auf einen neuen Tiefpunkt gefallen: In Deutschland rentieren alle Bundesanleihen mit Laufzeiten unter 10 Jahren negativ und in der Schweiz sind es alle Bundesobligationen unter 25 Jahre. Es handelt sich um ein Bond-Rally, das das gesamte Europa umfasst.


  • Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
    Die Schweizer Aktienbörse wird sich in diesem Umfeld äusserst volatil verhalten: Anleger haben Aktien abgestossen und sind in vermeintlich sichere Staatsanleihen geflohen. Dieser Trend kann sehr schnell wieder kippen, sei es, dass Britannien in der EU verbleibt oder sei es, dass Investoren ihre Meinung über die Tragweite eines Austrittes ändern. Es wird deshalb eine spannende Woche an der Börse werden, deren Ausgang ungewiss ist.


  • Wo steht der SMI in 12 Monaten?
    Ich bin weiterhin verhalten positiv gestimmt: Positiv weil die Zinsen global nicht stark ansteigen werden, aber verhalten weil die Aktienbewertungen hoch sind und das Gewinnwachstum schwach ist. Der SMI wird in 12 Monaten leicht höher notieren.


  • Wo sehen Sie Chancen?
    Die Turbulenzen an den Finanzmärkten führen zu Opportunitäten, weil einzelne Aktien kurzfristig massiv korrigieren können. Qualitätswerte können in solchen Situationen zu günstigen Kursen erworben werden. Chancen sehe ich zudem bei Gold und Goldminen, da hier der Abwärtstrend gebrochen wurde. Die Minengesellschaften haben sich in den vergangenen Jahren restrukturiert und sind nun wesentlich besser aufgestellt.


  • Von welchem Investment müssen Anleger die Finger lassen?
    Die vermeintlich sicheren Staatsanleihen mit negativer Rendite beinhalten ein enormes Risiko, insbesondere die kürzlich emittierten Langläufer mit Laufzeiten von 20 bis 50 Jahren. Sollten die Zinsen um nur ein Prozent steigen, werden diese Anleihen schlagartig zwischen 20 und 30% an Wert verlieren. Dieses Risiko wird nur mit einer minimalen Rendite abgegolten, welche zusätzlich durch Bankgebühren und Steuern reduziert wird. Ebenso sind Wohnimmobilien, die heute eine Bruttorendite von weniger als 3% bieten, eine schlechte Anlageform.


  • Erwarten Sie neue Massnahmen von Seiten der Notenbanken? Die tiefen Zinsen haben zu einer massiven Ausweitung der Staatsschulden geführt, die sich wegen den Negativzinsen nicht im Staatshaushalt niederschlagen. Die Zinsersparnisse im Jahr 2015 betrugen beispielsweise für Italien € 33 Mrd. und für Deutschland € 36 Mrd. Diese Ersparnisse werden in Zukunft stark ansteigen, da Obligationen mit hohen Coupons verfallen und durch neuemittierte Anleihen mit Niedrigstzins ersetzt werden. Die Zentralbanken können daher die Zinsen nicht anheben, ohne ein enormes Haushaltsdefizit zu verursachen. Die Zinsen werden somit kurz- und mittelfristig tief bleiben.


  • Lohnt es sich, aktuell in Gold zu investieren?
    Gold ist die einzige Anlageform, die sich nicht manipulieren lässt, da deren Menge physisch begrenzt ist. Steigt aufgrund der enormen Geldschwemme die Inflation und können die Zinsen nicht angehoben werden, wird der reale Zinssatz, der nominale Zinssatz minus Inflationsrate, auf absehbare Zeit negativ. Gold bietet die Möglichkeit, dem erheblichen Kaufkraftverlust zu entkommen und die Ersparnisse real zu erhalten. Ich habe daher die Goldpositionen verdoppelt.

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Morgan Stanley Outlook 2015

Morgan Stanley veröffentlichte vor ein paar Tagen ihren Global Strategy Outlook 2015.:
  • Der Zyklus geht weiter: Besseres Wachstum, tiefe Inflation und esxpansive Zentralbanken werden Risikoanlagen unterstützen. Sie sehen kein Problem in den hohen Bewertungen im Gegensatz zu James Montier von GMO.
  • Konsequenterweise argumentieren sie  "Equities: It Ain’t a Bubble Yet".
  • Sie ziehen Aktien von entwickelten Ländern Aktien von Schwellenländern vor. Andere Analytiker sind der Ansicht, dass die tiefer bewerteten Aktien der Schwellenländer Asiens 2015 besser abschneiden könnten als US Aktien.
  • FX: USD noch stärker.
  • Underperformance von langen Staatsanleihen der entwickelten Länder.
Untenstehende Grafik gibt einen netten Überblick:
MS Cross Allocation 

Persönlich bin ich etwas vorsichtiger: Hohe Bewertungen wie in den USA können leicht zu Unfällen führen.






Daniel Loebs Engagement in Disney / Performance in der NZZ

Im Artikel über Daniel Loeb ( https://www.nzz.ch/wirtschaft/daniel-loeb-ein-aktivist-heizt-den-streaming-krieg-an-ld.1698184 ) wird das Enga...