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Donnerstag, 3. Februar 2022

Börsen-Interview Handelszeitung 03.02.22


Wie stark beschäftigt die Corona-Krise die Finanzmärkte noch?

Corona selbst ist weniger das Thema als die Inflation als Folge davon. Die Märkte sind mit der anziehenden Geldpolitik des US-Fed beschäftigt. Sie erwarten nun dieses Jahr fünf statt drei Zinserhöhungen. Höhere Zinsen drücken vor allem auf US-Wachstumsaktien und damit auf die besten Performer des letzten Jahres. Zahlreiche Marktteilnehmer sehen einen Wechsel von Growth zu Value Aktien. Für Aufregung sorgt zudem die Ukraine-Krise.

 

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?

Die Aktien sind vor zwei Wochen stark gefallen und haben wahrscheinlich nach unten überschossen. Ich denke, dass die Börse von diesem überverkauften Niveau kurzfristig Potential hat.

 

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?

Die Aktien des SMI sind auch nach der Korrektur immer noch stolz bewertet, weshalb wir nicht mit zweistelligen Kursgewinnen rechnen können. Zuviel Gutes wurde letztes Jahr vorweggenommen. Es besteht allerdings keine Alternative als in Aktien zu investieren. Ich rechne deshalb mit einer einstelligen Performance und einem Punktestand von etwa 12'700. 

 

Meta (vormals Facebook) ist nach Bekanntgabe der Quartalszahlen um 20% gefallen. Was ist geschehen?

Während die Zahlen des letzten Quartals gut waren, sind die Gewinnaussichten wegen starker Konkurrenz durch Tiktok und Google/YouTube gesunken. Hinzu kommt, dass 80% der iPhone-Nutzer das Tracking durch Apps abschalten. Erst in zwei bis drei Jahren hofft Meta mittels enormer Investitionen mit VR neues Wachstum zu generieren.

 

Mit dem Start der Olympischen Winterspiele ist China im Scheinwerferlicht der Weltöffentlichkeit. Sprechen wir statt über Sport über die Märkte: Empfiehlt es sich, auf China zu setzen?

China drosselt seine Wirtschaft wegen seiner Immobilienblase, weshalb sich chinesische Titel schlecht entwickelten. Hinzu kommen die mögliche Dekotierung der chinesischen Techaktien in den USA und der Regulierungsdruck des Techsektors in China. Die schwache Kreditvergabe hat sich zwar etwas verbessert, doch ist es noch zu früh, auf den chinesischen Markt zu setzen.

 

Die Energiepreise sind im Hoch. Wie können Anlegerinnen und Anleger von dieser Entwicklung profitieren?

Ölfirmen können aufgrund des hohen Ölpreises hohe Gewinne verzeichnen. Weiter wurden sie im Trend hin zu sauberer Energie abgestraft. Ihre Bewertungen sind deshalb sehr tief und sie verfügen über stolze Dividendenrenditen. Es spricht daher Vieles für ein Engagement über die kommenden Monate, allerdings fehlt das Potential für eine langfristig solide Performance. Ein Engagement erfolgt direkt in Aktien von BP, Exxon etc. oder über Sektor ETF. 

 

Wie attraktiv sind Schweizer Immobilienfonds und Immobilienaktien derzeit bewertet?

Was für eine Haltung empfehlen Sie zu Gold?

Immobilien sind heute basierend auf dem Zinsniveau fair bewertet. Es ist schwierig bei den heutigen Immobilienpreisen und den tiefen Renditen euphorisch zu sein. Auch bei Gold sehe ich wenig Potential, da der Goldpreis von der Entwicklung der Realzinsen (Nominalzins minus Inflation) abhängt. Der steigende Realzins (zurzeit negativ), könnte daher eher schlecht für den Goldpreis sein. Im Sinne einer Diversifikation sollte jedoch jeder Investor sowohl Immobilien als auch in geringeren Masse Gold halten.

 

Die Kryptowährung Bitcoin ist weiter unter Druck. Folgt nach dem Crash bald wieder ein Höhenflug des neuen Geldmittels?

Seit zwei Jahren korreliert Bitcoin stärker mit dem Aktienmarkt und ist damit von der Börsenstimmung abhängig. Heute bestimmen spekulative Anleger den Kurs, welche dem bekannten Muster der Finanzmärkte «risk on / risk off» folgen. Kurzfristig könnte Bitcoin daher Auftrieb erhalten. Es bleibt spannend die künftige, aber ungewisse Entwicklung zu verfolgen.

 






Freitag, 23. Juli 2021

Börseninterview 23.07.21 in der Handelszeitung

 https://www.handelszeitung.ch/geld/ich-setze-auf-europa-us-aktien-sind-sehr-hoch-bewertet


Europa, Nordamerika oder Asien - welche der drei Börsenregionen dürfte sich im zweiten Halbjahr am stärksten entwickeln?

Ich setze im zweiten Halbjahr auf Europa, weil erstens die Bewertungen hier tiefer sind und zweitens die Wiedereröffnung zu steigenden Unternehmensgewinnen führen werden. Die Aktien sind in den  USA sehr hoch bewertet und bieten weniger Potenzial. China dürfte aufgrund seiner restriktiven Fiskalpolitik die Entwicklung in Asien im zweiten Halbjahr bremsen, weshalb in den nächsten 6 Monaten keine grossen Kursgewinne in Asien zu erwarten sind.

Die Börsen weltweit sind sehr stolz bewertet. Ist es deshalb ratsam, von einer passiven Anlagestrategie (via ETFs) verstärkt in eine aktive Strategie (Einzelaktien) zu wechseln? Was für ein Vorgehen schlagen Sie vor?

Ein ETF auf den MSCI World, der von den USA dominiert wird, ist tatsächlich stolz bewertet. Der Anleger kann aber durchaus auf ETFs in günstigeren Märkten setzen, wie zum Beispiel von europäischen Börsen oder den Sektoren Industrie und Finanz. Natürlich kann er auch in attraktive Einzelaktien investieren, allerdings sollte er genügend Analyse betreiben und genügend diversifizieren.

Wie sollen junge Schweizerinnen und Schweizer zwischen 18 und 40 Jahren für das Alter sparen - beziehungsweise: Wie viel Gewicht sollten sie dabei auf Aktienanlagen legen?

Da Aktien langfristig die höchsten Renditen abwerfen, sollten junge Anleger und Anlegerinnen mit einem sehr langen Anlagehorizont soviel Aktien wie möglich halten (100%). Von Leverage würde ich hingegen abraten, weil in einem Crash auf der Talsohle wegen Margin Call alles liquidiert werden muss und der Rebound dann verpasst wird. Zuviel Market-Timing würde ich ebenfalls nicht empfehlen, da nicht nur der Verkaufszeitpunkt sondern auch der Wiedereintritt perfekt erwischt werden muss, was meist nicht gelingt.

Nennen Sie uns bitte drei Themen, auf die man an der Börse setzen könnte - und beschreiben Sie, wie Sie dabei vorgehen würden.

Beim Value-Ansatz setzt man auf tief bewertete Titel. Zurzeit  wären dies europäische Industrie- und Finanzwerte. Der Growth-Ansatz bevorzugt Technologietitel vor allem in den USA. Ein anderes Thema ist die Überalterung der Gesellschaft, welches Chancen für den Gesundheitssektor bietet. Man kann alle diese Themen mittels ETFs, aktiven Fonds oder Einzeltitel umsetzen: Europäische Titel als Value-Play, Nasdaq-Titel als Growth-Play und Pharma- und US-Biotech-Titel für den demographischen Trend.

Wie stark beschäftigt die Corona-Krise die Finanzmärkte?

Global steigende Fallzahlen bereiten den Finanzmärkten zurzeit Sorgen, doch dank der Impfung sind die Folgen bisher gering (wenige Hospitalisationen und Todesfälle). Der wirtschaftliche Aufschwung ist damit vorerst nicht in Gefahr. Aber auch ein zu starker Aufschwung könnte Probleme mit sich bringen: Eine Überhitzung würde zu Inflation und höheren Zinsen führen. Zurzeit verzeichnet die USA einen starken Preisanstieg, es wird sich zeigen ob dieser vorübergehend ist. 


Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?

Trotz den jüngsten Korrekturen bin ich grundsätzlich positiv gestimmt. In den kommenden Sommerwochen wird das Handelsvolumen jedoch tief sein. Die täglichen Schwankungen können sehr gering sein, es ist aber auch möglich, dass kleine Transaktionsvolumen zu grosser Volatilität führen. 


Wo steht der SMI in zwölf Monaten?


Wir dürften in einem Jahr 12‘700 Punkte erreichen, obwohl heute die Kurse stolz bewertet sind. Treiber werden steigende Unternehmensgewinne sein, welche durch die Öffnung der Wirtschaft, hohe Ersparnisse und aufgestaute Nachfrage ermöglicht werden. Steigende Inflation und Zinsen oder erneute Lockdowns könnten den Aufschwung gefährden.


Freitag, 29. Januar 2021

Börseninterview 29.01.2021 Handelszeitung

Börseninterview in der Handelszeitung 

Covid-19-Impfstoff-Hersteller wie BioNtech, Moderna oder Novavax sind letztes Jahr an der Börse hochgeschossen. Droht bei solchen Unternehmen der Kurszerfall, sobald die Pandemie abflacht?

Gut möglich, dass diesen Titeln nach den Kursprüngen kurzfristig eine Korrektur droht. Allerdings haben diese Biotechnologie-Firmen mit der raschen Entwicklung von hochwirksamen Impfstoffen gezeigt, welche Möglichkeiten in ihrer Technologie steckt. Es besteht nun die berechtigte Hoffnung, dass diese Erkenntnisse auch gegen andere Krankheiten wie beispielsweise Krebs oder HIV eingesetzt werden können. Der Sektor hat langfristig grosses Potential.


Auch der E-Autokonzern Tesla gehört zu den Stars des Börsenjahrs 2020. Wie sehen Sie die Zukunft des Unternehmens, nun da Tesla zunehmend unter Druck kommt von etablierten Herstellern wie VW und Startups wie Nio?

Der Aktienkurs ist mittlerweile so stark angestiegen, dass die Marktkapitalisierung so gross ist, wie die der folgenden sechs grössten Automobilhersteller zusammen. Tesla hat auf der Produktebene unbestritten grossen Erfolg, aber die Gewinnmarge ist zu tief und Verluste können nur durch den Verkauf von CO2-Zertifikaten vermieden werden. Die Konkurrenz wird zudem in ein paar Jahren technologisch aufholen und Teslas Wachstum bremsen. Übertreibungen in den Technologieaktien werden nicht zuletzt durch die laxe Geldpolitik ermöglicht.

Diese Woche hat die UBS ihre Jahreszahlen präsentiert, in drei Wochen wird die Credit Suisse das Ergebnis vorlegen. In welchem Zustand sehen Sie die beiden Grossbanken zum Jahresstart?

Die beiden Grossbanken sind aufgrund der stabilen Erträge im Vermögensverwaltungs- und im Hypothekargeschäft in einem sehr guten Zustand hinsichtlich Gewinn und Eigenkapital. Freilich dürften die grossen Gewinne des Investment Bankings in diesem Jahr wegen geringerer Marktvolatilität geringer ausfallen wie 2020 und die Negativzinsen sind weiterhin schwer verdaubar, weshalb versucht wird, diese zunehmend den Kunden weiterzugeben.
Mittels Digitalisierung bemühen sich die Banken ihre Kosten langfristig zu senken, wobei die grossen Institute stärker von Skaleneffekten profitieren können.

Grüne Anleihen sind laut einer neuen Studie des Verbandes Climate Bonds Initiative (CBI) weltweit beliebt wie nie. Was halten Sie grundsätzlich von nachhaltigen Wertpapieren – und gibt es in der Schweiz Möglichkeiten, in solche Titel zu investieren?

Grüne Anleihen sind ein wichtiger Schritt hin zu nachhaltigeren Anlagen und werden von den Schweizer Banken angeboten. Ihr Anteil an den emittierten Obligationen wird kontinuierlich wachsen. Zurzeit besteht jedoch das Problem, dass Anleihen allgemein stark überbewertet sind und ein sehr ungünstiges Rendite-/Risikopotential aufweisen. Generell rate ich daher zurzeit von Anlagen in festverzinslichen Papieren ab.

Kommen wir zum allgemeinen Börsengeschehen: Wie stark beschäftigt die Corona-Krise die Finanzmärkte?

Die Finanzmärkte sind seit Oktober, als Pfizer den Start der globalen Impfkampagne auf den Dezember ankündigte, davon überzeugt, dass das Ende der Pandemie absehbar ist. Seither haben konjunktursensitive Titel die Führung übernommen. Für weiteren Schub sorgen die expansive Geld- und Fiskalpolitik, wobei ein Scheitern des Konjunkturpaketes von US-Präsident Biden für Unruhe sorgen würde. Ebenfalls ist es für die Märkte wichtig, dass die globale Impfkampagne dieses Jahr durchschlagenden Erfolg hat.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?

Konjunktursensitive Werte werden sich weiterhin sehr gut entwickeln, während die defensiven Marktschwergewichte Nestlé, Novartis und Roche kurzfristig kein Kursfeuerwerk liefern können. Ich rechne deshalb insgesamt mit einer leicht positiven Tendenz.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?

Schweizer Aktien sind sehr attraktiv, da Sie gegenüber Obligationen eine hohe Risikoprämie bieten. Zudem wirkt die Geld- und Fiskalpolitik stark unterstützend, weshalb ein Kursziel von 11'800 Punkten realistisch ist.



Freitag, 25. September 2020

Börseninterview 25.09.2020 Handelszeitung

https://www.handelszeitung.ch/unternehmen/ubs-interessanter-ware-ein-zusammengehen-mit-barclays

Wie stark beschäftigt die Corona-Krise die Finanzmärkte?

Die Märkte haben anfangs Woche nervös auf die steigende Zahl der Corona-Fälle in Europa reagiert. Zudem lässt das Stimuluspaket der US-Regierung auf sich warten. Nach einer Beruhigung hat sich der Fokus dann auf die hochbewerteten Technologie-Aktien verschoben, bei welchen nach Enttäuschungen Verluste hingenommen werden mussten.

 

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?

Die Schweizer Börse dürfte sich kurzfristig - trotz der Unsicherheiten und den hohen Bewertungen - seitwärts bewegen, da sie durch das grosse Gewicht an Pharma- und Nahrungsmittelwerten einen defensiven Charakter hat.

 

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?

Die Notenbanken werden die Märkte weiterhin mit viel Liquidität unterstützen, und ermöglichen so hohe Bewertungen. Viel hängt weiter von der Entwicklung der Pandemie und den fiskalischen Unterstützungsprogrammen ab. Vorausgesetzt wir haben 2021 einen wirkungsvollen Impfstoff zur Verfügung und die Wirtschaft wird weiter gestützt, werden wir 11‘000 Punkte in einem Jahr überschreiten.

 

Der E-LKW-Hersteller Nikola ist an der Börse auf Abwärtskurs. Wie schlimm steht es um den zum Tesla-Rivalen stilisierten US-Konzern?

Der Vorwurf, dass Nikola über keinerlei Technologie verfügt, konnte bislang nicht entkräftet werden und inzwischen ermittelt auch die SEC. Positiv ist, dass der umstrittene Präsident Trevor Milton zurücktrat und seine Stelle ein Ex-Manager von GM übernahm. Partner GM bestätigt zudem, dass sie Nikola eingehend geprüft hätten. Sollten GM und andere Partner wie Bosch jedoch das Vertrauen verlieren, wären die Aussichten für Nikola sehr schlecht.

 

Der Sommer ist vorbei, wir steuern auf das Jahresende zu. Wie düster ist die Zwischenbilanz nach einem halben Jahr Pandemie – wie präsentiert sich die Situation an Börsen, in Unternehmen und in der Gesamtwirtschaft?

Die Börsen wurden durch die Liquitätsschwemme der Zentralbanken beflügelt und haben sich gut erholt. Wie erwähnt ist die Wirtschaft noch auf staatliche Unterstützung angewiesen, wobei die wirtschaftliche Situation je nach Branche unterschiedlich ist: Die IT-Unternehmen haben von der Pandemie profitiert, während die Industrie nach dem tiefen Einbruch wieder an Schwung gewinnt. Die Reise- und Event-Branche werden sich hingegen nicht so schnell erholen.

 

Die Führung der UBS liebäugelt mit einer Fusion oder einer Übernahme einer anderen Grossbank – als Kandidatinnen kommen offenbar die Credit Suisse, Deutsche Bank, Barclays und weitere infrage.
Wie wahrscheinlich ist eine solcher Mega-Deal der grössten Schweizer Bank?

Eine Fusion von UBS und Credit Suisse würde für die Schweiz ein grosses Klumpenrisiko darstellen, weshalb die Finma für die neue Bank mehr Eigenkapital vorschreiben dürfte. Dazu kommen noch wettbewerbspolitische Einwände. Die Deutsche Bank ist vor allem im volatilen Investment Banking tätig, welches die UBS in den letzten zehn Jahren stark abgebaut hat. Interessanter wäre ein Zusammengehen mit Barclays, welche breiter aufgestellt ist und die UBS besser ergänzen würde.

 

Welche Mischung sollte das Portfolio einer durchschnittlichen Anlegerin heute aufweisen – wie viel Platz räumen Sie den Aktien ein, wie würden Sie Gold, Immobilien und Obligationen gewichten?

Eine Anlegerin mit einem Anlagehorizont von sieben bis zehn Jahren sollte einen wesentlichen Anteil in Sachwerte investieren, da diese langfristig das grösste Wachstum generieren: Aktien 50%, Immobilien 5% und Gold 5%. Obligationen, früher der stabile Kern eines Portefeuilles, müssen mit 20% stark untergewichtet werden, da deren Rendite-/Risikoverhältnis heute sehr ungünstig ist. Der Anteil an Liquidität ist daher mit 20% entsprechend hoch.

 

 

Samstag, 25. Januar 2020

Börseninterview vom 24.1.2020

Börseninterview vom 24.1.2020 auf handelszeitung.ch

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte sonst noch?
Während diese Woche das WEF tagt, wird durch die Verbreitung eines Coronavirus in Asien die Erinnerung an den Ausbruch von SARS geweckt. Noch scheint dieser neue Virus weniger gefährlich zu sein (tiefere Mortalität und weniger ansteckend), doch muss die weitere Entwicklung abgewartet werden. Chinesische Aktien geraten derweil unter Druck.

Könnte die globale Konjunktur durch den Krankheitserreger Schaden nehmen?
Der neue Virus hat das Potenzial, der globalen Konjunktur zu schaden, weil er sich wie damals SARS in einer wichtigen wirtschaftlichen Region Asiens  ausbreitet. Damals wurde die Wirtschaft Grossstädten aus Angst vor dem Virus über Wochen behindert und kostete China 2003 1 Prozent Wirtschaftswachstum. Heute ist die Situation noch nicht so besorgniserregend: Die Regierung hat aber bereits den öffentlichen Verkehr aus und in die 11 Millionen Stadt Wuhan unterbunden.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Kurzfristig wird sich die Schweizer Börse seitwärts bewegen, nachdem sie letzte Woche zulegte. Wichtig für die Börsen werden die Gewinnmeldungen in den kommenden Wochen sein: Übertreffen diese die Erwartungen, können wir mit einem neuerlichen Kursschub rechnen.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Nachdem der SMI im letzten Jahr 26 Prozent gestiegen ist, sind sehr hohe Erwartungen in den Kursen enthalten. Es ist daher wenig wahrscheinlich, dass er 2020 nochmals stark zulegen kann. Ich erwarte daher ein Niveau von 11000 Punkten. Allerdings bieten schweizerische Industriewerte, welche ein tiefes Kurs-Gewinn-Verhältnis aufweisen, Chancen auf Kursgewinne.

Tesla ist an der Börse nun hundert Milliarden Dollar wert. Wie zuversichtlich sind Sie für die Zukunft des US-Konzerns?
Langfristig bin ich für Tesla sehr zuversichtlich, denn das Unternehmen verfügt über einen Vorsprung in dieser zukunftsweisenden Technologie. Die Aktie ist allerdings sehr volatil und ist nach den spektakulären Kursgewinnen anfällig für eine Korrektur. Mit Zukäufen würde ich daher warten, bis sich der Kurs auf tieferem Niveau einpendelt.

Nachhaltiges Investieren liegt im Trend. Welche Strategie empfehlen Sie Investoren, die ihr Geld ökologisch und sozial verträglich anlegen möchten?
Als einzelner Investor ist es schwierig, die ökologischen und sozialen Implikationen einzelner Titel zu überwachen. Die grossen Anbieter von ETF bieten jedoch entsprechende Index-Produkte zu niedrigen Kosten an. Ich würde daher ihre verschiedenen Ansätze und Produkte vergleichen. Als Anleger sollte man zudem bedenken, dass solche Themen auch zu Marketingzwecken missbraucht werden.

Die USA verdächtigen die Schweiz wieder der Währungsmanipulation. Schränkt dieser Status den Handlungsspielraum der Schweizerischen Nationalbank (SNB) ein?
Die SNB hat damit  einen Warnschuss vor den Bug bekommen und ihr Handlungsspielraum dürfte kleiner sein, weil sie bei Devisenmarktinterventionen nun vorsichtiger agieren muss. Das Problem ist, dass dies Spekulanten ermutigen könnte, gegen die SNB zu agieren, um eine Aufwertung des Schweizerfrankens zu erzwingen.


Freitag, 20. Oktober 2017

Der Nikkei hat sehr viel Nachholbedarf

Interview mit der Handelszeitung vom 20. Oktober 2017:

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?

Die Märkte sind mit dem Abbau des Quantitative Easing der Notenbanken beschäftigt. Die Fed hat dazu einen klaren Plan vorgelegt, der jedoch durch einen Führungswechsel beeinflusst werden könnte. In Europa wird das QE-Programm wohl noch länger laufen und etwas später terminiert werden.
Rudolf Bohli von RBR Capital Advisors hat einen Vorschlag zur Aufspaltung  der Credit Suisse in die Medien gebracht. Allgemein wird dem Vorhaben wenig Chancen zugerechnet, da sein Paket zu klein und sein Plan zu unausgereift ist, denn das abgespaltene Investment Banking könnte selbstständig kaum überleben.


Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?

Die Firmen melden gute Gewinnzahlen für das dritte Quartal. Das dürfte die Schweizer Börse weiter antreiben zumal die Aussichten durch das globale Wachstum weiterhin sehr positiv sind und die Zinsen in den kommenden Monaten auf tiefem Niveau verharren werden.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?

Der SMI wird aufgrund des guten Wirtschaftswachstums in den kommenden Monaten weiter zulegen. Das Tempo wird allerdings etwas gemächlicher als in den vergangenen Wochen sein. Der SMI dürfte sich in zwölf Monaten um 6800 Punkte bewegen.

Streaming erhält immer grösseren Zulauf, das zeigen auch die jüngsten Netflix-Zahlen. Welche Titel sollten sich Anleger jetzt genauer ansehen?

Netflix, einziges Streaming Pureplay und Marktführer, notiert zu Höchstkursen. Die Aktie vom Konkurrenten Amazon ist ähnlich teuer. Interessanter finde ich die chinesischen Internetriesen Alibaba (eCommerce), Baidu (Search Engine) und vor allem Tencent (WeChat & Mobile Gaming), die alle auch im Streaming aktiv sind. Sie sind teilweise innovativer als die westliche Konkurrenz und ihre Bewertungen sind aufgrund höherer Profitabilität tiefer.

Nach dem Nein zur Altersvorsorge 2020 könnte es eine Weile dauern, bis ein neuer Vorschlag auf dem Tisch ist. Wie können Schweizerinnen und Schweizer in der Zwischenzeit selbst vorsorgen?

Die Vorsorgesysteme stehen wegen der steigenden Lebenserwartung und der tiefen Zinsen vor enormen Problemen. Es ist daher für den Vorsorgenden wichtig, möglichst viel zur Seite zu legen und in der Anlagepolitik auf Wachstum zu setzen. Aktien sind damit der wichtigste Teil der Anlagestrategie. Allerdings muss der Anlagehorizont lange genug sein, um mögliche Kursdellen auszusitzen. Also möglichst früh und viel in Qualitätsaktien investieren. Bei anstehendem Liquiditätsbedarf muss jedoch das Risiko angepasst werden, um nicht im Tief verkaufen zu müssen.


Vor zehn Jahren nahm die Finanzkrise ihren Anfang. Welche Lektionen haben noch heute Gültigkeit?

Für eine Finanzblase mit anschliessender Krise braucht es stets einen grenzenlosen Optimismus der zu massiven spekulativen Positionen auf Kredit führt. Fallen die Kurse, wollen alle Marktteilnehmer ihre Verluste begrenzen und verkaufen zur gleichen Zeit, worauf die Kurse ins Bodenlose stürzen. Es ist deshalb wichtig, dass die Marktteilnehmer nur begrenzt mit Hebel agieren. Konkret müssen beispielsweise Banken oder Hypothekarschuldner mit genügend Eigenkapital arbeiten, um ein Unglück zu vermeiden.

Der Nikkei-Index hangelt sich von Rekord zu Rekord. Wo sehen Sie das vorläufige Ende dieses Hochs?


Der Nikkei hat sehr viel Nachholbedarf, da er in den vergangenen Jahren hinter andere Börsen deutlich zurückgeblieben ist. Das Kursgewinnverhältnis japanischer Firmen ist im internationalen Vergleich immer noch tief. Japanische Firmen werden zusätzlich von der globalen Konjunktur profitieren und steigende Gewinne erzielen. Der Nikkei hat deshalb noch Potential, weshalb die Rallye in Japan fortfahren wird.

Daniel Loebs Engagement in Disney / Performance in der NZZ

Im Artikel über Daniel Loeb ( https://www.nzz.ch/wirtschaft/daniel-loeb-ein-aktivist-heizt-den-streaming-krieg-an-ld.1698184 ) wird das Enga...