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Freitag, 29. Januar 2021

Börseninterview 29.01.2021 Handelszeitung

Börseninterview in der Handelszeitung 

Covid-19-Impfstoff-Hersteller wie BioNtech, Moderna oder Novavax sind letztes Jahr an der Börse hochgeschossen. Droht bei solchen Unternehmen der Kurszerfall, sobald die Pandemie abflacht?

Gut möglich, dass diesen Titeln nach den Kursprüngen kurzfristig eine Korrektur droht. Allerdings haben diese Biotechnologie-Firmen mit der raschen Entwicklung von hochwirksamen Impfstoffen gezeigt, welche Möglichkeiten in ihrer Technologie steckt. Es besteht nun die berechtigte Hoffnung, dass diese Erkenntnisse auch gegen andere Krankheiten wie beispielsweise Krebs oder HIV eingesetzt werden können. Der Sektor hat langfristig grosses Potential.


Auch der E-Autokonzern Tesla gehört zu den Stars des Börsenjahrs 2020. Wie sehen Sie die Zukunft des Unternehmens, nun da Tesla zunehmend unter Druck kommt von etablierten Herstellern wie VW und Startups wie Nio?

Der Aktienkurs ist mittlerweile so stark angestiegen, dass die Marktkapitalisierung so gross ist, wie die der folgenden sechs grössten Automobilhersteller zusammen. Tesla hat auf der Produktebene unbestritten grossen Erfolg, aber die Gewinnmarge ist zu tief und Verluste können nur durch den Verkauf von CO2-Zertifikaten vermieden werden. Die Konkurrenz wird zudem in ein paar Jahren technologisch aufholen und Teslas Wachstum bremsen. Übertreibungen in den Technologieaktien werden nicht zuletzt durch die laxe Geldpolitik ermöglicht.

Diese Woche hat die UBS ihre Jahreszahlen präsentiert, in drei Wochen wird die Credit Suisse das Ergebnis vorlegen. In welchem Zustand sehen Sie die beiden Grossbanken zum Jahresstart?

Die beiden Grossbanken sind aufgrund der stabilen Erträge im Vermögensverwaltungs- und im Hypothekargeschäft in einem sehr guten Zustand hinsichtlich Gewinn und Eigenkapital. Freilich dürften die grossen Gewinne des Investment Bankings in diesem Jahr wegen geringerer Marktvolatilität geringer ausfallen wie 2020 und die Negativzinsen sind weiterhin schwer verdaubar, weshalb versucht wird, diese zunehmend den Kunden weiterzugeben.
Mittels Digitalisierung bemühen sich die Banken ihre Kosten langfristig zu senken, wobei die grossen Institute stärker von Skaleneffekten profitieren können.

Grüne Anleihen sind laut einer neuen Studie des Verbandes Climate Bonds Initiative (CBI) weltweit beliebt wie nie. Was halten Sie grundsätzlich von nachhaltigen Wertpapieren – und gibt es in der Schweiz Möglichkeiten, in solche Titel zu investieren?

Grüne Anleihen sind ein wichtiger Schritt hin zu nachhaltigeren Anlagen und werden von den Schweizer Banken angeboten. Ihr Anteil an den emittierten Obligationen wird kontinuierlich wachsen. Zurzeit besteht jedoch das Problem, dass Anleihen allgemein stark überbewertet sind und ein sehr ungünstiges Rendite-/Risikopotential aufweisen. Generell rate ich daher zurzeit von Anlagen in festverzinslichen Papieren ab.

Kommen wir zum allgemeinen Börsengeschehen: Wie stark beschäftigt die Corona-Krise die Finanzmärkte?

Die Finanzmärkte sind seit Oktober, als Pfizer den Start der globalen Impfkampagne auf den Dezember ankündigte, davon überzeugt, dass das Ende der Pandemie absehbar ist. Seither haben konjunktursensitive Titel die Führung übernommen. Für weiteren Schub sorgen die expansive Geld- und Fiskalpolitik, wobei ein Scheitern des Konjunkturpaketes von US-Präsident Biden für Unruhe sorgen würde. Ebenfalls ist es für die Märkte wichtig, dass die globale Impfkampagne dieses Jahr durchschlagenden Erfolg hat.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?

Konjunktursensitive Werte werden sich weiterhin sehr gut entwickeln, während die defensiven Marktschwergewichte Nestlé, Novartis und Roche kurzfristig kein Kursfeuerwerk liefern können. Ich rechne deshalb insgesamt mit einer leicht positiven Tendenz.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?

Schweizer Aktien sind sehr attraktiv, da Sie gegenüber Obligationen eine hohe Risikoprämie bieten. Zudem wirkt die Geld- und Fiskalpolitik stark unterstützend, weshalb ein Kursziel von 11'800 Punkten realistisch ist.



Samstag, 25. Januar 2020

Börseninterview vom 24.1.2020

Börseninterview vom 24.1.2020 auf handelszeitung.ch

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte sonst noch?
Während diese Woche das WEF tagt, wird durch die Verbreitung eines Coronavirus in Asien die Erinnerung an den Ausbruch von SARS geweckt. Noch scheint dieser neue Virus weniger gefährlich zu sein (tiefere Mortalität und weniger ansteckend), doch muss die weitere Entwicklung abgewartet werden. Chinesische Aktien geraten derweil unter Druck.

Könnte die globale Konjunktur durch den Krankheitserreger Schaden nehmen?
Der neue Virus hat das Potenzial, der globalen Konjunktur zu schaden, weil er sich wie damals SARS in einer wichtigen wirtschaftlichen Region Asiens  ausbreitet. Damals wurde die Wirtschaft Grossstädten aus Angst vor dem Virus über Wochen behindert und kostete China 2003 1 Prozent Wirtschaftswachstum. Heute ist die Situation noch nicht so besorgniserregend: Die Regierung hat aber bereits den öffentlichen Verkehr aus und in die 11 Millionen Stadt Wuhan unterbunden.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Kurzfristig wird sich die Schweizer Börse seitwärts bewegen, nachdem sie letzte Woche zulegte. Wichtig für die Börsen werden die Gewinnmeldungen in den kommenden Wochen sein: Übertreffen diese die Erwartungen, können wir mit einem neuerlichen Kursschub rechnen.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Nachdem der SMI im letzten Jahr 26 Prozent gestiegen ist, sind sehr hohe Erwartungen in den Kursen enthalten. Es ist daher wenig wahrscheinlich, dass er 2020 nochmals stark zulegen kann. Ich erwarte daher ein Niveau von 11000 Punkten. Allerdings bieten schweizerische Industriewerte, welche ein tiefes Kurs-Gewinn-Verhältnis aufweisen, Chancen auf Kursgewinne.

Tesla ist an der Börse nun hundert Milliarden Dollar wert. Wie zuversichtlich sind Sie für die Zukunft des US-Konzerns?
Langfristig bin ich für Tesla sehr zuversichtlich, denn das Unternehmen verfügt über einen Vorsprung in dieser zukunftsweisenden Technologie. Die Aktie ist allerdings sehr volatil und ist nach den spektakulären Kursgewinnen anfällig für eine Korrektur. Mit Zukäufen würde ich daher warten, bis sich der Kurs auf tieferem Niveau einpendelt.

Nachhaltiges Investieren liegt im Trend. Welche Strategie empfehlen Sie Investoren, die ihr Geld ökologisch und sozial verträglich anlegen möchten?
Als einzelner Investor ist es schwierig, die ökologischen und sozialen Implikationen einzelner Titel zu überwachen. Die grossen Anbieter von ETF bieten jedoch entsprechende Index-Produkte zu niedrigen Kosten an. Ich würde daher ihre verschiedenen Ansätze und Produkte vergleichen. Als Anleger sollte man zudem bedenken, dass solche Themen auch zu Marketingzwecken missbraucht werden.

Die USA verdächtigen die Schweiz wieder der Währungsmanipulation. Schränkt dieser Status den Handlungsspielraum der Schweizerischen Nationalbank (SNB) ein?
Die SNB hat damit  einen Warnschuss vor den Bug bekommen und ihr Handlungsspielraum dürfte kleiner sein, weil sie bei Devisenmarktinterventionen nun vorsichtiger agieren muss. Das Problem ist, dass dies Spekulanten ermutigen könnte, gegen die SNB zu agieren, um eine Aufwertung des Schweizerfrankens zu erzwingen.


Daniel Loebs Engagement in Disney / Performance in der NZZ

Im Artikel über Daniel Loeb ( https://www.nzz.ch/wirtschaft/daniel-loeb-ein-aktivist-heizt-den-streaming-krieg-an-ld.1698184 ) wird das Enga...