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Freitag, 19. Juli 2019

Börseninterview in der Handelszeitung 19.07.2019

https://www.handelszeitung.ch/invest/nestles-kurs-durfte-bis-ende-jahr-nur-noch-wenig-zulegen

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Die Finanzmärkte wurden durch schwächere Wirtschaftszahlen belastet und daraufhin durch eine expansive Geldpolitik der Zentralbanken massiv unterstützt. Es gilt zusätzlich zu beachten, dass politische Risiken bestehen: Der Handelskonflikt der USA mit diversen Handelspartnern und der Konflikt der USA mit Iran könnten jederzeit wieder aufflammen.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Nach der Kursrallye vom Juni erwarte ich nun kurzfristig eine Seitwärtsbewegung der Schweizer Börse. Politische Risiken können immer wieder für Volatilität sorgen. Jedoch sehe ich aufgrund der global lockeren Geldpolitik keinen Grund für grosse Kurseinbrüche.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
In Anbetracht dessen, dass der SMI heute schon nahe der 10'000 Marke notiert, erwarte ich, dass er in einem Jahr bei 10‘500 Punkten zu liegen kommt. Die hohen Kurse begrenzen höheres Wachstum in der Zukunft.

Nächste Woche wird Nestlé die Halbjahreszahlen vorlegen. Wird es dem Nahrungsmittelkonzern gelingen, die hohen Erwartungen zu erfüllen? Seit Jahresanfang ist der Kurs um fast dreissig Prozent gestiegen.
Nestlé konnte im Vergleich zu anderen Nahrungsmittelkonzernen durch stetige Produktinnovation und Markenpflege kontinuierlich wachsen. Es wird ein organisches Umsatzwachstum von über 3 Prozent und eine EBIT-Marge von 17,5 Prozent bis 18,5 Prozent prognostiziert. Ich erwarte daher, dass der Konzern diese Erwartungen erfüllen kann. Der Kurs dürfte jedoch bis Ende Jahr nur noch wenig zulegen. Allenfalls könnte der Verkauf der Beteiligung an L’Oréal den Nestlé-Kurs um 5 Prozent ansteigen lassen.

Tesla hat im letzten Quartal fast achtzigtausend Autos vom Model 3 ausgeliefert. Erreicht der E-Auto-Hersteller seine hochgesteckten Geschäftsziele?
Tesla dürfte seine Ziele bezüglich Produktion erreichen. Allerdings deuten die kürzlich vorgenommenen Preisreduktionen daraufhin, dass die Nachfrage stimuliert werden musste, weil in den USA die Steuergutschrift beim Kauf von Elektrofahrzeugen reduziert wurde und traditionelle Autokonzerne nun auch mit Elektrofahrzeugen konkurrenzieren. Es ist daher möglich, dass Tesla trotz gesteigerter Produktion die Gewinnziele verfehlt.

Die globale Autoindustrie ist unter Druck. Was heisst dies für die Schweizer Zulieferfirmen, beispielsweise Autoneum oder Feintool?
Die europäische Autoindustrie hat in den vergangen zwei Jahren massiv unter dem Dieselskandal gelitten und damit auch die Schweizer Zulieferer schwer belastet. Nachdem sich die Konsumenten zurückhielten, werden sie ihren aufgestauten Bedarf wieder decken müssen. Natürlich verfügen aber Hybrid- und Elektrofahrzeuge über ein höheres Wachstum als herkömmliche Fahrzeuge. Es ist daher wichtig, dass die Zulieferer ihr Angebot entsprechend ausrichten.

Chinas Wirtschaft wächst so langsam wie seit 27 Jahren nicht mehr. Wie stark belastet die Schwäche der zweitgrössten Volkswirtschaft die globale Konjunktur?
Chinas derzeitige Wachstumsschwäche belastet aufgrund gesunkener Importe vor allem andere Schwellenländer, Japan und Europa. Allerdings fördert die chinesische Führung das Kreditwachstum massiv und könnte, sofern der Stimulus greift, bald wieder globale Wachstumsimpulse liefern.




Freitag, 29. September 2017

Anlageperspektiven 4. Quartal 2017

Das Anlageumfeld wird mehrheitlich durch die Wirtschaft bestimmt, während die Politik in den Hintergrund getreten ist. Die massive Liquiditätsversorgung der Notenbanken zur Bekämpfung deflationärer Tendenzen neigt sich global dem Ende zu. Die Wirtschaft läuft gut, aber zusammen mit den massiven geldpolitischen Stimuli wird sie in einem Jahr die Inflation anziehen lassen.
Die darauf folgenden steigenden Zinsen werden die wirtschaftliche Entwicklung mittelfristig bremsen.
Langfristig wird die Wirtschaft nur sehr langsam wachsen können, da demographische Tendenzen (Überalterung der Gesellschaft) und schleppende Produktivitätsgewinne dies verhindern.

Politik

Das geopolitische Umfeld ist unsicherer geworden, vor allem mit Blick auf den fernen Osten  Nordkorea und China) sowie den mittleren Osten. Dazu türmen sich Wolken in der Handelspolitik durch aufsteigenden Protektionismus auf. Abgesehen von den zähen Brexitverhandlungen ist Europa zurzeit ein Hort der Stabilität. Für die Weltwirtschaft fällt der Brexit jedoch nicht ins Gewicht. Trotz etwas gesteigerten Risiken und Säbelrasseln ist eine schwere geopolitische Krise nach wie vor sehr unwahrscheinlich!
In den USA ist die Trump-Euphorie endgültig verflogen, da die Republikaner bisher kein wirtschaftsförderndes Gesetzesprojekt realisieren konnten. Allerdings würde ein Konjunkturprogramm in den USA zu einer stärkeren Überhitzung der Wirtschaft führen.

BCA
Sinkende Popularität von Trump in der eigenen Partei schränkt seine Handlungsfreiheit ein.

Wirtschaft

Die globale Wachstumsdynamik ist weiterhin stark. Die USA sind im Konjunkturzyklus am weitesten fortgeschritten, während Europa mit guten Zahlen überrascht hat. Auch Chinas Wirtschaft gewinnt an Fahrt.

Julius Bär
Globale Wirtschaft im Wachstum: Neben den USA hat sich die Konjunktur auch in Asien und vor allem in Europa erholt.

Durch die Hurricanes verursachten Milliardenschäden in den USA werden die makroökonomischen Daten etwas durcheinander wirbeln. Genaue Auswirkungen sind noch unklar, jedoch dürfte die positive Wachstumsentwicklung in den USA kaum beeinflusst worden sein.
Insgesamt leben wir im Moment in der besten aller Welten, da einerseits die Wirtschaft gut läuft und andererseits die Inflation nach wie vor äusserst tief ist. Die Notenbanken haben daher Spielraum und können die Märkte weiterhin ausgiebig mit Liquidität versorgen. Leider besteht die Gefahr, dass die Wirtschaft in ein bis zwei Jahren überhitzt, worauf die Zentralbanken die Zinsen stärker anheben und die Geldversorgung verknappen müssten. Dies dürfte die Wirtschaft abbremsen und eine Rezession einleiten.

BCA
Das Angebot wird in der regulären Wirtschaft langfristig knapp werden. Ab 2023 werden wegen abnehmenden Geburtenraten in Amerika, Asien und Europa die Zahl der Arbeitnehmer schrumpfen statt wachsen.


Langfristig ist das globale Wirtschaftswachstum durch eine schwache Steigerung der Produktivität und durch die Überalterung der Gesellschaft begrenzt.


Notenbankpolitik, Zinsen und Anleihenmärkte 

Die Deflationsgefahr hat sich dieses Jahr endgültig verflüchtigt und einer niederen Inflation Platz gemacht. Das kräftige Wirtschaftswachstum wird nun vermehrt überschüssige Kapazitäten aufnehmen und zu einer Verknappung an den Arbeitsmärkten führen. Die Überhitzung des Arbeitsmarktes wird die Inflation langsam aber stetig anziehen lassen.

BCA
Die Arbeitslosigkeit sinkt in den USA unter die Rate, ab welcher mit stark steigenden Löhnen und dem Entfachen von Inflation gerechnet werden muss.

Es zeichnet sich jedoch ab, dass die Währungshüter die Massnahmen zur Inflationsbekämpfung nur sehr spät ergreifen werden. Aus folgenden Gründen werden Frau Yellen und Herr Draghi länger zuwarten:

  1. Inflation hilft, die hohen Staatsschulden zu reduzieren. Besonders in Südeuropa haben sich enorme Schuldenberge aufgetürmt, die durch eine Geldentwertung elegant vermindert werden können.
  2. Die Notenbanken haben heute mehr Angst vor Deflation als vor Inflation, weil Geldpolitik bei tiefen Zinsen um 0% sehr schwierig ist und Deflation zu einer Abwärtsspirale führen kann.

Die Währungshüter werden daher erst handeln, wenn sich die Inflation deutlich manifestiert. Da Preissteigerungen aber erst verzögert auftreten, werden sie in der Folge überschiessen, was die Zentralbanker zwingt, eine restriktivere Geldpolitik zu implementieren und die Zinsen deutlich anzuheben.
Auch Anleger haben noch viel zu tiefe Zinserwartungen. Sie sind immer noch bereit, in langfristige Anleihen mit rekordtiefen Renditen zu investieren. In den USA mit ihrem weiter fortgeschrittenen Zyklus dürften die Preise zuerst steigen und die Halter der vermeintlich sicheren Papiere eine herbe Überraschung erleben.

BIZ
In der Vergangenheit stiegen die Zinsen bei einer Straffung der Geldpolitik durch die Notenbanken stark an. Die Märkte gehen heute aber von stabil bleibenden Zinsen aus. Langfristigen Obligationen könnten daher mittelfristig erhebliche Kursverluste bevorstehen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird das Quantitative-Easing-Prorgramm (QE) anfangs 2018 bremsen. Der Anleihenmarkt in Europa ist schlicht zu klein, als dass das Programm noch hätte ausgeweitet werden können. Zudem birgt die extrem lockere Geldpolitik die Gefahr von weiteren Blasen und darauf folgende Finanzkrisen. Die EZB wird den Prozess der Normalisierung ihrer Geldpolitik sehr langsam angehen. Eine zu abrupte Rückführung würde die Renditen der Anleihen der hoch verschuldeten südeuropäischen Staaten massiv in die Höhe treiben. Die Aufwertung des Euro der vergangenen Monate hat zudem die Inflationsaussichten vorübergehend gedämpft und die EZB kann die Zinsen etwas länger auf tiefem Niveau belassen. Allerdings korrelieren Zinsen international und können sich in den verschiedenen Währung nicht unabhängig entwickeln. Wir erwarten deshalb, dass die Zinsen in Europa der Zinsentwicklung in den USA folgen werden.
Ein reduziertes QE in den USA und in Europa wird die Nachfrage nach Obligationen senken und die Renditen unweigerlich ansteigen lassen. Obligationen sind heute sehr teuer und werfen magere Renditen ab. Das grosse Steigerungspotenzial der Renditen beinhaltet ein ebenso grosses Verlustpotenzial der Notierungen der Anleihen. Da die Kurse langlaufender Papiere empfindlicher auf Zinsveränderungen reagieren als diejenigen Kurzlaufender, sollten die Laufzeiten kurz gehalten werden.
Betrachtet man die tiefen Renditen langfristiger Anleihen, drängt sich der Schluss auf, dass Investoren nicht einmal auf eine moderate Zinserhöhung vorbereitet sind. Sie werden die Inflation erst wahrnehmen, wenn sie präsent ist. Es würde uns daher nicht überraschen, wenn wir mittelfristig einen massiven Kurszerfall mit stark steigenden Renditen der langfristigen Papiere erleben.


Aktien

Die positive Entwicklung der Wirtschaft hat in diesem Jahr global starkes Gewinnwachstum ermöglicht und für steigende Aktienkurse gesorgt. Das positive Momentum der Gewinne wird in den kommenden Monaten anhalten und die Aktien weiter antreiben.

Thomson Reuters / ZKB
Aktienrisikoprämien (Gewinnrendite minus Obligationenrendite) sind überdurchschnittlich. Während Aktien dank brummender Wirtschaft solide Gewinnrenditen erzielen, liefern Anleihen wenig bis gar keine Rendite!

Einzig der starke Euro belastete Unternehmen der Eurozone etwas: Deren Resultate waren zwar gut aber nicht so herausragend wie in den USA, wo der konjunkturelle Zyklus am weitesten fortgeschritten ist und der sinkende Dollar zusätzlich Währungsgewinne ermöglicht. Chinas Wirtschaft ist hingegen erst am Anfang des Zyklus und hat deshalb das grösste Erholungspotenzial. Zudem sind chinesische und auch japanische Aktien günstiger bewertet. Insgesamt sind Aktien wegen der expansiven Geldpolitik und den rekordtiefen Zinsen leider sehr hoch bewertet. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) schreibt daher in einem Bericht von dem enormen Risikoappetit, der auch die Anleger bezüglich Aktien erfasst hat. Es wird festgehalten, dass die ultraexpansive Geldpolitik der vergangenen Jahre die Gefahr einer Finanzblase erheblich erhöht hat. Für einen starken Kurseinbruch wie er in einem Bärenmarkt stattfindet braucht es hingegen eine Rezession, die die Gewinnaussichten der Unternehmen massgeblich trüben würde. Dies ist zurzeit keine Gefahr.
Ein Ende der Aktienhausse könnte in einem Jahr eintreten, wenn ein Aufflammen der Inflation ein Ansteigen der Zinsen verursacht. Dies würde einerseits die Wirtschaft bremsen und andererseits festverzinsliche Anlagen gegenüber Aktien begünstigen. Ein Crash am Obligationenmarkt könnte daher den Risikoappetit der Aktienanleger dämpfen.

Währungen

Im laufenden Jahr konnten wir eine starke Erholung des Euros aufgrund positiv überraschenden Wachstums in Europa beobachten. Der Trend des Euros weist deshalb kurzfristig nach oben, dies wird noch durch die Enttäuschung über das Unvermögen der US-Regierung unterstützt. Kaufkraftmässig ist der Euro trotz des Anstiegs zwar immer noch günstig bewertet, doch dürften die höheren Zinsen in den USA den Dollar mittelfristig stärken.

Thomson Reuters / ZKB
Der Dollarindex, welcher die Stärke des US-Dollar gegenüber einem Währungskorb misst, ist trotz seiner besseren Rendite gefallen. Der Dollar weist daher mittelfristig Erholungspotenzial auf.


Langfristig sind wir immer noch überzeugt, dass der Dollar aufgrund der dynamischeren Natur der US-Wirtschaft und der Überalterung der europäischen Gesellschaft zur Stärke neigen wird.
Die Schweizerische Nationalbank hält den Schweizerfanken (gegenüber dem Euro) immer noch für hoch bewertet, nennt ihn aber nicht mehr «deutlich überbewertet». Mit Massnahmen hält sie sich zurzeit zurück und gibt zu, dass die EZB ihr den geldpolitischen Takt vorgibt. Die SNB wird die Geldpolitik daher erst im Fahrwasser der EZB straffen. Eine Änderung des CHF-Leitzinses ist zum heutigen Zeitpunkt unwahrscheinlich, da die Inflation in der Schweiz lediglich 0,4% beträgt. Wir erwarten deshalb eine Seitwärtsentwicklung des EUR/CHF-Wechselkurses mit geringen Schwankungen.

Gold

Der Kurs des Edelmetalls steigt erfahrungsgemäss bei geopolitischen Krisen an und dient deshalb als Absicherung. Zunehmende aber immer noch überschaubare Spannungen auf dem internationalen Parkett sprechen für ein begrenztes Engagement in Gold. Ein weiterer Kurstreiber wäre das Aufflackern von Inflation, welche wir wie angedeutet erst gegen Ende 2018 erwarten. Es ist deshalb noch zu früh, die Edelmetallquote auszubauen.

Asset Allocation

In einem globalen Wirtschaftsaufschwung sind Aktien allgemein vorzuziehen. Da diese aber teuer sind und wir mittelfristig eine konjunkturelle Eintrübung erwarten, sehen wir von einer Übergewichtung ab. In der Praxis ist die Erfolgsquote des exakten Markt-Timings ohnehin gering.
Aktien bleiben bei uns daher neutral gewichtet. Asiatische Schwellenländer werden vermehrt berücksichtigt.
Bei den Anleihen empfiehlt es sich einerseits die Laufzeiten kurz zu halten, um das Risiko steigender Zinsen zu minimieren. Andererseits werden wir die Obligationenquote zusätzlich möglichst tief und dafür vermehrt Liquidität halten.
Zwar bestehen in den nächsten Monaten gewisse geopolitische Risiken und es würde uns nicht überraschen, wenn aufgrund von Spannungen Risikopapiere zwischenzeitlich an Wert verlieren könnten. Da solche Einbrüche aber erstens unvorhersehbar und zweitens vorübergehend sind, sollte man darauf in der Portefeuille-Allokation nicht reagieren.

Freitag, 11. August 2017

Märkte vergessen Nordkorea-Unruhe bald




Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Die letzten Tage wurden getrübt durch zunehmende geopolitische Risiken. Die schwache Führung des Präsidenten der Weltmacht USA öffnet verschiedenen regionalen Akteuren das Spielfeld, um ihren Machtbereich auszudehnen. Das dreiste Verhalten von Nordkorea ist in diesem Kontext zu sehen. Weiter kristallisiert sich das Ende der QE-Programme heraus: Neben der US Fed wird auch die EZB ihre Bilanz zurückfahren. Um die Märkte nicht zu belasten, werden die Notenbanken jedoch diesen Prozess über viele Jahre hinziehen.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Ich bin positiv gestimmt: Die geopolitischen Spannungen werden keinen nachhaltigen Effekt auf die Finanzmärkte haben und bald vergessen sein. Auch werden die hohen Bewertungen der Aktien und die künftige restriktivere Geldpolitik die Märkte in den nächsten Wochen noch nicht belasten. Hingegen unterstützen positive Meldungen aus der Wirtschaft eine Erholung nach den Einbussen der letzten Woche.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Die hohen Bewertungen der Schwergewichte Nestlé, Novartis und Roche könnten in den kommenden Monaten den SMI zurückbinden. Zudem kann die tiefere Notenbankliquidität die Finanzmärkte zusätzlich belasten, denn eine zu hastige Rückführung der Notenbankbilanzen würde den Märkten Liquidität entziehen. Ich glaube daher, dass wir in den nächsten Monaten mit höherer Volatilität rechnen müssen, der SMI aber in einem Jahr immer noch um 9000 Punkten notieren wird. Eine grössere Korrektur erwarte ich aufgrund soliden Gewinnwachstums nicht.


Landis+Gyr, Idorsia und Co.: Wer ist Ihr Liebling unter den Neulingen an der Schweizer Börse?
Da ich Schweizer Industriewerten hohes Kurspotenzial wegen der guten Konjunktur und des schwächeren Frankens zuschreibe, ist Landis+Gyr, führend in Stromnetz-Technologie, mein Favorit. Das Unternehmen dürfte zudem vom hohen Investitionsbedarf der europäischen Stromversorger profitieren. Das etwas hohe Kursgewinnverhältnis von Landis+Gyr birgt allerdings ein Enttäuschungspotenzial, sollten sich die hohen Erwartungen nicht materialisieren.


Zuletzt galt die ganze Aufmerksamkeit dem Euro-Franken-Kurs. Wie lässt sich mit Währungsschwankungen am besten Geld verdienen?
Schweizer Small- und Mid-Caps, die in der Schweiz produzieren und in die EU exportieren, profitieren am meisten vom günstigen Franken. Um unternehmensspezifische Risiken zu minimieren, investieren wir mittels eines ETF auf den SMI Midcap Index (SMIM).

Im September passt die SIX den SMI an – Titel werden auf maximal 18 Prozent der Gewichtung zurückgebunden. Müssen Investoren auf die Neuerung reagieren?
Diese Massnahme könnte die Kursentwicklung von Nestlé und Novartis, deren Gewicht im SMI über 18% liegt, beeinträchtigen. Die SIX hat jedoch die Änderung der Index-Regeln schon vor Monaten publiziert, sodass diese Information längst im Kurs enthalten sein dürfte. Ich glaube nicht, dass man sich deswegen sorgen müsste.

Welche Anlageklasse könnte im zweiten Halbjahr 2017 überraschend gut abschneiden?
Zyklische Aktien aus Europa und Japan werden sich gut entwickeln. Ihre Bewertung ist im Vergleich zu den USA niedrig und ihre Gewinne profitieren vom guten globalen Wirtschaftswachstum. Zu diesen Zyklikern gehören Banken- und Industriewerte.

Was ist Ihr Top-Tipp für das zweite Halbjahr 2017?
Ich setze auf Titel der erwähnten Branchen. Um günstig und diversifiziert zu investieren, empfehle ich, auf Länder-ETF zu setzen, in welchen die Sektoren Banken und Industrie übergewichtet sind: Im deutschen Aktienmarkt (DAX und MDAX) sind Industriewerte stark vertreten, mittlere Schweizer Unternehmen (SMIM) und europäische Bluechips (Euro Stoxx 50) haben ein Übergewicht in Finanz- und Industriewerten.


Dienstag, 8. Januar 2013

Ausblick für das 1. Quartal von 2013 von Morgan Stanley




Ausblick für das 1. Quartal von 2013 von Morgan Stanley:


  • Generell positiv mit Ausname der US Fiskalpoliti: verbessertes globales Wachstum, sinkende europäsiche Risikoprämie und aufgeweichte Bankregulierung von Basel.
  • Übergewicht von Schwellenländer aufgrund ihrer schlechteren relativen Wertentwicklung
  • Zyklische statt defensive Werte: während defensive Werte im 2012 gut Abschnitten sieht MS eine Rotation in zyklische Aktien voraus.
  • Finanz- und Rohstoffwerte sind die bevorzugten Titel aufgrund ihrer tiefen Bewertung

Montag, 10. Januar 2011

Goldman Sachs super positiv für 2011

Am 7. Januar hat Goldman Sachs (GS) im Global Opportunity Asset Allocator seine Einschätzung hinsichtlich der Aufteilungen eines Depots in Anlagekategorien (Asset Allocation) für das neue Jahr präsentiert:
  • Verbesserter ökonmischer Ausblick
    Global wird ein BIP Wachstum von 4.7% im 2011 und 4.9% im 2012 erwartet. In den USA wurden die Wachstumsaussichten auf 3.4% im 2011 und auf 3.8% im 2012 erhöht. Eine straffere Konjunkturpolitik in China aund die Schuldenkrise in Europa stellen Risiken dar und werden Volatilität verursachen, doch wird das starke globale Wachstumsmomentum die Anlageperformance weiterhin dominieren.
  • Kurzfristige Umgewichtung des Risiko-Exposures (1-3 months) …
    Kurzfristig wird das kleine Aktienübergewicht in vergrössert, Rohstoffe werden auf Neutral zurück gestuft und Unternehmensanleihen guter Bonität auf "Untergewichten" gesetzt. Ebenso sind Regierungsanleihen untergewichtet und mit grösster Überzeugung Cash. Die Veränderungen reflektieren die Verbesserung der globalen Wachstumsaussichten, Rohstoffpreise nach ihrer letzten starken Entwicklung hin zum Goldman Sachst Kursziel und die tiefen Renditen der Unternehmens- und Regierungsanleihen. Bei den Aktienmärkten favorisieren wir die USA und Japan, während Europa und Asien (ohne Japan)  untergewichtet werden.
  • … und bleiben "pro-risk" in den nächsten 6 - 12 Monaten
    Bis zu einem Horizont von 6-12 Monaten bleibt die Allokation unverändert. Aufgrund des starken Gewinnwachstum und der attraktiven Bewertung sind Aktien am überzeugensten. Wir sind ebenfalls in Rohstoffen übergewichtet, da  das Angebot knapper und die Nachfrge grösser wird. Unternehmensanleihen werden neutral bewertet, obwohl mässige Gewinne zu erwarten sind. Da Cash und Regierungsanleihen keine Rendite bis Jahresende einbringen werden, sind wir hier untergewichtet.
Das grösste Gegengewicht dazu liefert der  "Weekly Market Comment" von John Hussmann mit dem Titel "Illusory Prosperity" - Ludwig von Mises on Monetary Policy. Seine Konklusion "the Market Climate for stocks continued to be characterized last week by an overvalued, overbought, overbullish, rising-yields syndrome that has historically been very hostile to stocks." ist extrem negativ.
Persönlich halte ich die Einschätzungen von Morgan Stanley am überzeugensten, welche aufgrund konjunktureller Aufhellunngen und strukturellen Widerständen moderat positv sind.

Samstag, 8. Januar 2011

Morgan Stanley: ökonomischer Ausblick 2011


Morgan Stanley identifiziert vier ökonomische Themen für 2011



  1. Solides aber mässiges globales WachstumDie Konjunktur dürfte das Wachstum in den entwickelten Ländern (developed markets - DM) stützen, während strukturelle Probleme das Wachstum bremsen. DM, welche sich im am Anfang des Konjunkturzyklus befinden, haben andere Probleme als Aufstrebende Länder (emerging markets - EM), die sich in der Mitte des Konjunkturzyklus befinden — eine Dynamik, die es  zu beobachten gilt.

  2. Globaler Ausgleich und Inflation
    Der kontinuierliche Ausgleich (d.h. Verschiebung von Wachstum) von EM zu DM verstärkt den globalen Wachstumsausblick. Jedoch steigt das Inflationsrisiko in EM, verstärkt durch das verbesserte Wachstum in DM, was die Konjunktur- und Geldpolitik erschwert.
  3. Staatliche Schuldenkrise 2.0
    Die staatliche Schuldenkrise hat sich verschlimmert, ist aber durch die europäische Politik weniger System bedrohend. Der Schlüssel sind glaubwürdige Unterstützungspläne und Restrukturierungsmechanismen, um eine Ausbreitung zu verhindern.

  4. Politisierung der ökonomischen Diskussion
    Die Politik beeinflusst die Entscheidungen betreffend der Schuldenrisiko. Spannungen betreffend Währungskurse und internationaler Handel werden erhöht. Das Risiko einer Fehlpolitik erhöht sich durch die verstärkte Einmischung der Politik.

Daniel Loebs Engagement in Disney / Performance in der NZZ

Im Artikel über Daniel Loeb ( https://www.nzz.ch/wirtschaft/daniel-loeb-ein-aktivist-heizt-den-streaming-krieg-an-ld.1698184 ) wird das Enga...