Freitag, 25. September 2020

Börseninterview 25.09.2020 Handelszeitung

https://www.handelszeitung.ch/unternehmen/ubs-interessanter-ware-ein-zusammengehen-mit-barclays

Wie stark beschäftigt die Corona-Krise die Finanzmärkte?

Die Märkte haben anfangs Woche nervös auf die steigende Zahl der Corona-Fälle in Europa reagiert. Zudem lässt das Stimuluspaket der US-Regierung auf sich warten. Nach einer Beruhigung hat sich der Fokus dann auf die hochbewerteten Technologie-Aktien verschoben, bei welchen nach Enttäuschungen Verluste hingenommen werden mussten.

 

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?

Die Schweizer Börse dürfte sich kurzfristig - trotz der Unsicherheiten und den hohen Bewertungen - seitwärts bewegen, da sie durch das grosse Gewicht an Pharma- und Nahrungsmittelwerten einen defensiven Charakter hat.

 

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?

Die Notenbanken werden die Märkte weiterhin mit viel Liquidität unterstützen, und ermöglichen so hohe Bewertungen. Viel hängt weiter von der Entwicklung der Pandemie und den fiskalischen Unterstützungsprogrammen ab. Vorausgesetzt wir haben 2021 einen wirkungsvollen Impfstoff zur Verfügung und die Wirtschaft wird weiter gestützt, werden wir 11‘000 Punkte in einem Jahr überschreiten.

 

Der E-LKW-Hersteller Nikola ist an der Börse auf Abwärtskurs. Wie schlimm steht es um den zum Tesla-Rivalen stilisierten US-Konzern?

Der Vorwurf, dass Nikola über keinerlei Technologie verfügt, konnte bislang nicht entkräftet werden und inzwischen ermittelt auch die SEC. Positiv ist, dass der umstrittene Präsident Trevor Milton zurücktrat und seine Stelle ein Ex-Manager von GM übernahm. Partner GM bestätigt zudem, dass sie Nikola eingehend geprüft hätten. Sollten GM und andere Partner wie Bosch jedoch das Vertrauen verlieren, wären die Aussichten für Nikola sehr schlecht.

 

Der Sommer ist vorbei, wir steuern auf das Jahresende zu. Wie düster ist die Zwischenbilanz nach einem halben Jahr Pandemie – wie präsentiert sich die Situation an Börsen, in Unternehmen und in der Gesamtwirtschaft?

Die Börsen wurden durch die Liquitätsschwemme der Zentralbanken beflügelt und haben sich gut erholt. Wie erwähnt ist die Wirtschaft noch auf staatliche Unterstützung angewiesen, wobei die wirtschaftliche Situation je nach Branche unterschiedlich ist: Die IT-Unternehmen haben von der Pandemie profitiert, während die Industrie nach dem tiefen Einbruch wieder an Schwung gewinnt. Die Reise- und Event-Branche werden sich hingegen nicht so schnell erholen.

 

Die Führung der UBS liebäugelt mit einer Fusion oder einer Übernahme einer anderen Grossbank – als Kandidatinnen kommen offenbar die Credit Suisse, Deutsche Bank, Barclays und weitere infrage.
Wie wahrscheinlich ist eine solcher Mega-Deal der grössten Schweizer Bank?

Eine Fusion von UBS und Credit Suisse würde für die Schweiz ein grosses Klumpenrisiko darstellen, weshalb die Finma für die neue Bank mehr Eigenkapital vorschreiben dürfte. Dazu kommen noch wettbewerbspolitische Einwände. Die Deutsche Bank ist vor allem im volatilen Investment Banking tätig, welches die UBS in den letzten zehn Jahren stark abgebaut hat. Interessanter wäre ein Zusammengehen mit Barclays, welche breiter aufgestellt ist und die UBS besser ergänzen würde.

 

Welche Mischung sollte das Portfolio einer durchschnittlichen Anlegerin heute aufweisen – wie viel Platz räumen Sie den Aktien ein, wie würden Sie Gold, Immobilien und Obligationen gewichten?

Eine Anlegerin mit einem Anlagehorizont von sieben bis zehn Jahren sollte einen wesentlichen Anteil in Sachwerte investieren, da diese langfristig das grösste Wachstum generieren: Aktien 50%, Immobilien 5% und Gold 5%. Obligationen, früher der stabile Kern eines Portefeuilles, müssen mit 20% stark untergewichtet werden, da deren Rendite-/Risikoverhältnis heute sehr ungünstig ist. Der Anteil an Liquidität ist daher mit 20% entsprechend hoch.

 

 

Freitag, 17. Juli 2020

Börseninterview vom 17.072020 in der Handlszeitung

https://www.handelszeitung.ch/unternehmen/die-tesla-aktie-wurde-den-letzten-tagen-zu-stark-hochgetrieben

Wie stark beschäftigt die Corona-Krise die Finanzmärkte?

Nachrichten von Erfolgen in der Impfstoffentwicklung trieben die Aktien in den letzten Tagen nach oben. Die steigenden Fallzahlen in Nord- und Südamerika beindrucken die Märkte indes wenig. Interessant dürften auch die in den nächsten Wochen publizierten Unternehmenszahlen für das zweite Quartal sein. Diese werden Klarheit über die Folgen des Lockdowns auf Unternehmensebene schaffen.

 

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?

Nach der rasanten Erholung fehlt der Börse kurzfristig der Impuls für grosse Avancen. Ich nehme daher an, dass die Börse auf hohem Niveau seitwärts verläuft. Die hohe Bewertung kann bei Enttäuschungen jedoch zu herben Rückschlägen führen.

 

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?

Die enormen Rettungspakete dürften in den kommenden Monaten auch die konjunktursensitiven Werte des SMI beflügeln, während Schwergewichte Nestlé, Novartis und Roche nur leicht zulegen werden. Ich rechne daher mit einem Indexstand über 11‘000 Punkten.

 

Der Kurs von Tesla erreicht seit Tagen neue Rekordstände. Ergibt der Höhenflug des E-Auto-Konzerns an der Börse Sinn?

Obwohl Tesla den traditionellen Autobauern technisch voraus ist, wurde die Aktie in den vergangenen Tagen zu stark hochgetrieben. Die Käufer richten sich nicht nach Fundamentaldaten, sondern nach einer Vision eines global dominierenden Automobilherstellers. Diese Entwicklung ist zwar nicht unmöglich aber wenig plausibel. Persönlich würde ich die Aktie nicht auf diesem hohen Niveau kaufen, da eine technische Korrektur der überkauften Aktie wahrscheinlich ist.

 

Auch Gold wertet sich laufend auf. Ist das Edelmetall derzeit zu teuer?

Es gibt Prognosen, dass in zwei bis drei Jahren die Inflation aufgrund der massiven Hilfsprogramme ansteigen könnte. In einem solchen Umfeld würde der Goldpreis zu legen. Heute dürfte Gold fair bewertet sein und ich empfehle den Anlegern zwecks Diversifikation, eine Position von ca. 5% im Portefeuille zu halten. Grössere Kurssteigerungen erwarte ich in den kommenden Monaten jedoch nicht.

 

Welche Börsenplätze ausserhalb von Europa und den USA finden Sie interessant – und was sollten Anleger bei solchen Investments beachten?

Die asiatischen Börsen sind zurzeit interessant, da dort die Regierungen einerseits die Pandemie besser im Griff haben und andererseits konjunktursensitive Werte ein grosses Gewicht haben. Neben bekannten Einzeltiteln (z.B. aus Korea) kaufe ich auch Anlagefonds oder ETF. Dabei muss auf die Sektorgewichtung und auf die Gebühren geachtet werden.

 

 

Nächste Woche wird die UBS ihre Quartalszahlen präsentieren, Ende Monat folgt die Credit Suisse. Was für Zahlen erwarten Sie von den Grossbanken?

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Samstag, 25. Januar 2020

Börseninterview vom 24.1.2020

Börseninterview vom 24.1.2020 auf handelszeitung.ch

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte sonst noch?
Während diese Woche das WEF tagt, wird durch die Verbreitung eines Coronavirus in Asien die Erinnerung an den Ausbruch von SARS geweckt. Noch scheint dieser neue Virus weniger gefährlich zu sein (tiefere Mortalität und weniger ansteckend), doch muss die weitere Entwicklung abgewartet werden. Chinesische Aktien geraten derweil unter Druck.

Könnte die globale Konjunktur durch den Krankheitserreger Schaden nehmen?
Der neue Virus hat das Potenzial, der globalen Konjunktur zu schaden, weil er sich wie damals SARS in einer wichtigen wirtschaftlichen Region Asiens  ausbreitet. Damals wurde die Wirtschaft Grossstädten aus Angst vor dem Virus über Wochen behindert und kostete China 2003 1 Prozent Wirtschaftswachstum. Heute ist die Situation noch nicht so besorgniserregend: Die Regierung hat aber bereits den öffentlichen Verkehr aus und in die 11 Millionen Stadt Wuhan unterbunden.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Kurzfristig wird sich die Schweizer Börse seitwärts bewegen, nachdem sie letzte Woche zulegte. Wichtig für die Börsen werden die Gewinnmeldungen in den kommenden Wochen sein: Übertreffen diese die Erwartungen, können wir mit einem neuerlichen Kursschub rechnen.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Nachdem der SMI im letzten Jahr 26 Prozent gestiegen ist, sind sehr hohe Erwartungen in den Kursen enthalten. Es ist daher wenig wahrscheinlich, dass er 2020 nochmals stark zulegen kann. Ich erwarte daher ein Niveau von 11000 Punkten. Allerdings bieten schweizerische Industriewerte, welche ein tiefes Kurs-Gewinn-Verhältnis aufweisen, Chancen auf Kursgewinne.

Tesla ist an der Börse nun hundert Milliarden Dollar wert. Wie zuversichtlich sind Sie für die Zukunft des US-Konzerns?
Langfristig bin ich für Tesla sehr zuversichtlich, denn das Unternehmen verfügt über einen Vorsprung in dieser zukunftsweisenden Technologie. Die Aktie ist allerdings sehr volatil und ist nach den spektakulären Kursgewinnen anfällig für eine Korrektur. Mit Zukäufen würde ich daher warten, bis sich der Kurs auf tieferem Niveau einpendelt.

Nachhaltiges Investieren liegt im Trend. Welche Strategie empfehlen Sie Investoren, die ihr Geld ökologisch und sozial verträglich anlegen möchten?
Als einzelner Investor ist es schwierig, die ökologischen und sozialen Implikationen einzelner Titel zu überwachen. Die grossen Anbieter von ETF bieten jedoch entsprechende Index-Produkte zu niedrigen Kosten an. Ich würde daher ihre verschiedenen Ansätze und Produkte vergleichen. Als Anleger sollte man zudem bedenken, dass solche Themen auch zu Marketingzwecken missbraucht werden.

Die USA verdächtigen die Schweiz wieder der Währungsmanipulation. Schränkt dieser Status den Handlungsspielraum der Schweizerischen Nationalbank (SNB) ein?
Die SNB hat damit  einen Warnschuss vor den Bug bekommen und ihr Handlungsspielraum dürfte kleiner sein, weil sie bei Devisenmarktinterventionen nun vorsichtiger agieren muss. Das Problem ist, dass dies Spekulanten ermutigen könnte, gegen die SNB zu agieren, um eine Aufwertung des Schweizerfrankens zu erzwingen.


Freitag, 4. Oktober 2019

Börseninterview 4. Oktober 2019

https://www.handelszeitung.ch/geld/als-kurzfristige-trading-idee-sind-die-banktitel-attraktiv


Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Zurzeit lasten geopolitische Risiken wie Brexit, Handelskrieg und Konflikt im Mittleren Osten auf den Finanzmärkten. Zudem hat sich das globale Wachstum etwas abgeschwächt. Investoren fliehen deshalb in Staatsanleihen und den US-Dollar, während sie Aktien und den Euro meiden.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Kurzfristig dürfte sich die Börse seitwärts bewegen, denn die Schweizer Börse hat erstens seit Jahresbeginn enorm zugelegt und zweitens ist die Stimmung aufgrund des negativen Nachrichtenflusses schlecht. Korrekturen wie wir sie Ende 2018 erlebt haben, sind deshalb nicht auszuschliessen, insbesondere in Anbetracht der aktuellen Risiken. Ich rechne aber nicht mit einem Oktober-Crash, da das wirtschaftliche Umfeld noch solide ist.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Der SMI hat durch sein hohes Gewicht an Titeln wie Nestlé, Novartis und Roche einen defensiven Charakter. Trotz den Schwierigkeiten dürfte er daher bei 10‘500 in einem Jahr schliessen.

Die Schweizer Bankentitel legen zu – die UBS war die beste SMI-Aktie im September. Wie erklären Sie sich das?
Die Bankentitel sind infolge der schlechten Kursentwicklung der letzten Jahre stark gedrückt, weil Negativzinsen schwer auf den Erträgen lasten und die Branche zusätzlich geringe Wachstumschancen bietet. Die UBS-Aktie war bis August so tief gesunken, dass eine Gegenbewegung einsetzen musste. Mit einer aktuellen Dividendenrendite von 6.4% und einem Preis-/Buchverhältnis von 0.75 ist die UBS Aktie auch nach dem Anstieg im September immer noch sehr günstig.

Soll man also wieder auf Bankentitel setzen?
Aus heutigem Blickwinkel kann langfristig leider nur wenig Gewinnwachstum erwartet werden. Als kurzfristige Trading-Idee sind die Banktitel aufgrund der tiefen Bewertung durchaus attraktiv. Die Dividendenrendite der UBS AG von 6.4% bietet zudem eine stattliche Risikoprämie.

Führende Ökonomen zeichnen ein düsteres Bild der Weltwirtschaft. Geht der Abschwung nun in den kommenden Monaten richtig los?
Bislang hat der Abschwung vor allem in der Industrieproduktion stattgefunden, der grössere Dienstleistungssektor entwickelte sich positiv. Die Verschärfung des Handelskonfliktes würde der Wirtschaft global aber weiter zusetzen und einen breiten Abschwung auslösen. Die drohende Arbeitslosigkeit sollte den Regierungen Anreiz geben, dies zu verhindern. Mit Fiskalpolitik wie Infrastrukturprogrammen in China, USA und Deutschland könnte die Wirtschaft zusätzlich gestützt und die Produktivität erhöht werden.

Die EU rechnet noch im Oktober mit neuen US-Strafzöllen. Was sind die Auswirkungen für die Schweiz?
Strafzölle auf europäische Industriegüter und insbesondere auf Automobile wären schlecht für die Schweiz, da zahlreiche inländische Zulieferer die Konsequenzen von tieferen Verkaufszahlen und höherem Preisdruck spüren würden. Langfristig sollte Europa jedoch weniger unter zunehmenden Druck geraten als China, da die US-Bevölkerung Europa im Gegensatz zu China nicht als unfairen Wettbewerber sieht. Der politische Rückhalt wäre nicht gegeben.

Freitag, 19. Juli 2019

Börseninterview in der Handelszeitung 19.07.2019

https://www.handelszeitung.ch/invest/nestles-kurs-durfte-bis-ende-jahr-nur-noch-wenig-zulegen

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Die Finanzmärkte wurden durch schwächere Wirtschaftszahlen belastet und daraufhin durch eine expansive Geldpolitik der Zentralbanken massiv unterstützt. Es gilt zusätzlich zu beachten, dass politische Risiken bestehen: Der Handelskonflikt der USA mit diversen Handelspartnern und der Konflikt der USA mit Iran könnten jederzeit wieder aufflammen.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Nach der Kursrallye vom Juni erwarte ich nun kurzfristig eine Seitwärtsbewegung der Schweizer Börse. Politische Risiken können immer wieder für Volatilität sorgen. Jedoch sehe ich aufgrund der global lockeren Geldpolitik keinen Grund für grosse Kurseinbrüche.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
In Anbetracht dessen, dass der SMI heute schon nahe der 10'000 Marke notiert, erwarte ich, dass er in einem Jahr bei 10‘500 Punkten zu liegen kommt. Die hohen Kurse begrenzen höheres Wachstum in der Zukunft.

Nächste Woche wird Nestlé die Halbjahreszahlen vorlegen. Wird es dem Nahrungsmittelkonzern gelingen, die hohen Erwartungen zu erfüllen? Seit Jahresanfang ist der Kurs um fast dreissig Prozent gestiegen.
Nestlé konnte im Vergleich zu anderen Nahrungsmittelkonzernen durch stetige Produktinnovation und Markenpflege kontinuierlich wachsen. Es wird ein organisches Umsatzwachstum von über 3 Prozent und eine EBIT-Marge von 17,5 Prozent bis 18,5 Prozent prognostiziert. Ich erwarte daher, dass der Konzern diese Erwartungen erfüllen kann. Der Kurs dürfte jedoch bis Ende Jahr nur noch wenig zulegen. Allenfalls könnte der Verkauf der Beteiligung an L’Oréal den Nestlé-Kurs um 5 Prozent ansteigen lassen.

Tesla hat im letzten Quartal fast achtzigtausend Autos vom Model 3 ausgeliefert. Erreicht der E-Auto-Hersteller seine hochgesteckten Geschäftsziele?
Tesla dürfte seine Ziele bezüglich Produktion erreichen. Allerdings deuten die kürzlich vorgenommenen Preisreduktionen daraufhin, dass die Nachfrage stimuliert werden musste, weil in den USA die Steuergutschrift beim Kauf von Elektrofahrzeugen reduziert wurde und traditionelle Autokonzerne nun auch mit Elektrofahrzeugen konkurrenzieren. Es ist daher möglich, dass Tesla trotz gesteigerter Produktion die Gewinnziele verfehlt.

Die globale Autoindustrie ist unter Druck. Was heisst dies für die Schweizer Zulieferfirmen, beispielsweise Autoneum oder Feintool?
Die europäische Autoindustrie hat in den vergangen zwei Jahren massiv unter dem Dieselskandal gelitten und damit auch die Schweizer Zulieferer schwer belastet. Nachdem sich die Konsumenten zurückhielten, werden sie ihren aufgestauten Bedarf wieder decken müssen. Natürlich verfügen aber Hybrid- und Elektrofahrzeuge über ein höheres Wachstum als herkömmliche Fahrzeuge. Es ist daher wichtig, dass die Zulieferer ihr Angebot entsprechend ausrichten.

Chinas Wirtschaft wächst so langsam wie seit 27 Jahren nicht mehr. Wie stark belastet die Schwäche der zweitgrössten Volkswirtschaft die globale Konjunktur?
Chinas derzeitige Wachstumsschwäche belastet aufgrund gesunkener Importe vor allem andere Schwellenländer, Japan und Europa. Allerdings fördert die chinesische Führung das Kreditwachstum massiv und könnte, sofern der Stimulus greift, bald wieder globale Wachstumsimpulse liefern.




Montag, 13. Mai 2019

Interview vom 10.5.19 der Handelszeitung:
Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Philipp Grüebler: Während die Börse im April durch die Hinweise des Fed-Präsidenten Powell auf eine laxere Geldpolitik in die Höhe getrieben wurde, schreckten in den letzten Tagen die Märkte wegen einer möglichen Eskalation des Handelskonfliktes zwischen den USA und Chinaauf. Die Äusserungen der beiden Regierungen lassen auf ernsthafte Differenzen im Patentschutz und im forcierten Technologietransfer schliessen.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Die Börse dürfte nach der letzten Rallye in den kommenden Wochen eine Pause einlegen. Die schlechten Aussichten auf eine Beilegung des Handelskonfliktes drücken die Leitbörsen in den USA und damit auch die Schweizer Börse. Allerdings sehen wir eher einem Seitwärtstrend als einer scharfen Korrektur entgegen, da Wachstum und Geldpolitik weiterhin positiv sind.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Das globale Wirtschaftswachstum dürfte über die nächsten zwölf Monate positiv überraschen und solide Unternehmensgewinne ermöglichen. Allerdings nehmen die hohen Kursgewinne in diesem Jahr schon viel Positives vorweg. Die Gewinne des SMI werden daher begrenzt sein, jedoch schätze ich einen Indexstand von über 10‘000 Punkten als realistisch ein.


US-Präsident Donald Trump hat neue Zölle auf chinesische Produkte erhoben. Was bedeutet die überraschende Entwicklung für die globale Konjunktur und die Börsenentwicklung?
Eine weitere Erhöhung der Strafzölle durch die USA, träfe neben chinesischen Firmen auch deren Zulieferer in anderen Schwellenländern. Japan und Europa wären ebenfalls betroffen, da sie Investitionsgüter nach China exportieren. Die USA ist im Vergleich weniger exportorientiert. US-Aktien würden sich daher gegenüber Schwellenländeraktien sowie europäischen und japanischen Zyklikern (Banken und Industrie) besser entwickeln.

Auch im US-europäischen Handelsstreit droht eine Zuspitzung. Mitte Mai wird die US-Regierung entscheiden, ob sie neue Zölle auf EU-Autoimporte erhebt. Rechnen Sie mit einem solchen Schritt? Und wie stark würden diese Strafmassnahmen die europäische Konjunktur belasten?
Ein solcher Schritt ist durchaus möglich. Die Zölle würden massgeblich auf der europäischen und speziell auf der deutschen Konjunktur lasten. Das mässige Wachstum im Euroraum würde zusätzlich gedrückt, wobei ich aber nicht annehme, dass wir damit in eine Rezession rutschen. Dennoch: Die Aussichten für den automobillastigen DAX oder für den Euro Stoxx (vor allem Banken und Industrie) würden sich trüben.

In den USA werden die kommenden Präsidentschaftswahlen bereits zum Thema. Wagen wir einen Blick in die Kristallkugel: Was würde eine zweite Amtszeit von Donald Trumpaus wirtschaftlicher Sicht bedeuten?
Vier weitere Jahre Trump bedeuten, dass die erfolgte Steuersenkung, welche jährlich ein Budgetdefizit von 5 Prozent verursacht, nicht umgestossen wird und die Staatsschulden stark anwachsen werden. Zudem geniessen verschiedene Branchen wie Pharma, fossile Energie und Banken unter Trump eine Vorzugsbehandlung, die bestehen bliebe. Der derzeitig niedrige Konsumenten- und Umweltschutz würde den Unternehmen weiterhin erlauben, die Kosten kurzfristig tief zu halten.

Bei immer mehr Schweizer Unternehmen sind aktivistische Investoren beteiligt. Profitieren die übrigen Aktionäre für gewöhnlich vom Engagement solcher unbequemen Investoren?
Aktivistische Investoren halten die Unternehmensleitung gewöhnlich auf Trab und können daher positiv für die übrigen Aktionäre sein, wenn dadurch der langfristige Erfolg eines Unternehmens verbessert wird. Soll aber nur kurzfristig der Gewinn maximiert werden, kann das Unternehmen langfristig leiden. Die übrigen Aktionäre müssen daher die Ziele, Massnahmen und Möglichkeiten der aktivistischen Investoren in ihren Investitionsentscheiden prüfen.

Daniel Loebs Engagement in Disney / Performance in der NZZ

Im Artikel über Daniel Loeb ( https://www.nzz.ch/wirtschaft/daniel-loeb-ein-aktivist-heizt-den-streaming-krieg-an-ld.1698184 ) wird das Enga...