Freitag, 23. Juli 2021

Börseninterview 23.07.21 in der Handelszeitung

 https://www.handelszeitung.ch/geld/ich-setze-auf-europa-us-aktien-sind-sehr-hoch-bewertet


Europa, Nordamerika oder Asien - welche der drei Börsenregionen dürfte sich im zweiten Halbjahr am stärksten entwickeln?

Ich setze im zweiten Halbjahr auf Europa, weil erstens die Bewertungen hier tiefer sind und zweitens die Wiedereröffnung zu steigenden Unternehmensgewinnen führen werden. Die Aktien sind in den  USA sehr hoch bewertet und bieten weniger Potenzial. China dürfte aufgrund seiner restriktiven Fiskalpolitik die Entwicklung in Asien im zweiten Halbjahr bremsen, weshalb in den nächsten 6 Monaten keine grossen Kursgewinne in Asien zu erwarten sind.

Die Börsen weltweit sind sehr stolz bewertet. Ist es deshalb ratsam, von einer passiven Anlagestrategie (via ETFs) verstärkt in eine aktive Strategie (Einzelaktien) zu wechseln? Was für ein Vorgehen schlagen Sie vor?

Ein ETF auf den MSCI World, der von den USA dominiert wird, ist tatsächlich stolz bewertet. Der Anleger kann aber durchaus auf ETFs in günstigeren Märkten setzen, wie zum Beispiel von europäischen Börsen oder den Sektoren Industrie und Finanz. Natürlich kann er auch in attraktive Einzelaktien investieren, allerdings sollte er genügend Analyse betreiben und genügend diversifizieren.

Wie sollen junge Schweizerinnen und Schweizer zwischen 18 und 40 Jahren für das Alter sparen - beziehungsweise: Wie viel Gewicht sollten sie dabei auf Aktienanlagen legen?

Da Aktien langfristig die höchsten Renditen abwerfen, sollten junge Anleger und Anlegerinnen mit einem sehr langen Anlagehorizont soviel Aktien wie möglich halten (100%). Von Leverage würde ich hingegen abraten, weil in einem Crash auf der Talsohle wegen Margin Call alles liquidiert werden muss und der Rebound dann verpasst wird. Zuviel Market-Timing würde ich ebenfalls nicht empfehlen, da nicht nur der Verkaufszeitpunkt sondern auch der Wiedereintritt perfekt erwischt werden muss, was meist nicht gelingt.

Nennen Sie uns bitte drei Themen, auf die man an der Börse setzen könnte - und beschreiben Sie, wie Sie dabei vorgehen würden.

Beim Value-Ansatz setzt man auf tief bewertete Titel. Zurzeit  wären dies europäische Industrie- und Finanzwerte. Der Growth-Ansatz bevorzugt Technologietitel vor allem in den USA. Ein anderes Thema ist die Überalterung der Gesellschaft, welches Chancen für den Gesundheitssektor bietet. Man kann alle diese Themen mittels ETFs, aktiven Fonds oder Einzeltitel umsetzen: Europäische Titel als Value-Play, Nasdaq-Titel als Growth-Play und Pharma- und US-Biotech-Titel für den demographischen Trend.

Wie stark beschäftigt die Corona-Krise die Finanzmärkte?

Global steigende Fallzahlen bereiten den Finanzmärkten zurzeit Sorgen, doch dank der Impfung sind die Folgen bisher gering (wenige Hospitalisationen und Todesfälle). Der wirtschaftliche Aufschwung ist damit vorerst nicht in Gefahr. Aber auch ein zu starker Aufschwung könnte Probleme mit sich bringen: Eine Überhitzung würde zu Inflation und höheren Zinsen führen. Zurzeit verzeichnet die USA einen starken Preisanstieg, es wird sich zeigen ob dieser vorübergehend ist. 


Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?

Trotz den jüngsten Korrekturen bin ich grundsätzlich positiv gestimmt. In den kommenden Sommerwochen wird das Handelsvolumen jedoch tief sein. Die täglichen Schwankungen können sehr gering sein, es ist aber auch möglich, dass kleine Transaktionsvolumen zu grosser Volatilität führen. 


Wo steht der SMI in zwölf Monaten?


Wir dürften in einem Jahr 12‘700 Punkte erreichen, obwohl heute die Kurse stolz bewertet sind. Treiber werden steigende Unternehmensgewinne sein, welche durch die Öffnung der Wirtschaft, hohe Ersparnisse und aufgestaute Nachfrage ermöglicht werden. Steigende Inflation und Zinsen oder erneute Lockdowns könnten den Aufschwung gefährden.


Freitag, 19. März 2021

Börseninterview 19.03.2021 Handelszeitung

 Börseninterview in der Handelszeitung

Die asiatischen Börsen haben im Vergleich mit europäischen Handelsplätzen letztes Jahr sehr gut abgeschnitten. Können Sie Investitionen in chinesische und andere asiatische Aktien derzeit empfehlen?

Die asiatischen Länder haben davon profitiert, dass sie die Corona-Krise wesentlich besser gemeistert haben als der Westen. Asien wird künftig wegen seinem grossen industriellen Sektor  vom Aufschwung der Weltwirtschaft profitieren. In China sind allerdings die Index-Schwergewichte Tencent, Alibaba und Baidu aufgrund von stärkerer Regulierung und höheren Zinsen in den USA unter Druck. Ich ziehe deshalb globale Industriewerte den chinesischen Aktien vor.

Die Weltwirtschaft kommt wieder in Gang – und im Zuge der Erholung haben sich Rohstoffe wie Öl, Kupfer oder Soja verteuert. Bahnt sich bei Rohstoffen eine Rally an?

Rohstoffe können von einer starken Weltwirtschaft am meisten profitieren. Zudem sind Minengesellschaften und Ölwerte historisch betrachtet sehr günstig. Die fossilen Energiewerte haben jedoch das Problem, dass sie durch die Wende hin zur alternativen Energie langfristig wenig Wachstumspotenzial bieten. Ich bevorzuge deshalb Minengesellschaften, auch weil verschiedene Metalle bei der Erzeugung und Nutzung von alternativen Energien vermehrt benötigt werden.

Die Zinsen von US-Staaspapieren sind seit Jahresbeginn am Steigen. Wie werden sich die Renditen von U.S.Treasury Bonds entwickeln – und was für eine Prognose machen sie zu den Zinsen europäischer Papiere wie Schweizer Bundesobligationen oder deutschen Bundesanleihen?

Die Zinsen der 10-jährigen US-Treasuries sind in den letzen 6 Monaten um 1.5% angestiegen, während sie im Euro und Schweizerfranken mit 0.3% etwas weniger zulegten. Ob sich dieser Trend fortsetzt, hängt von der Gefahr einer Überhitzung der US-Wirtschaft ab. Im nächsten Jahr könnte sich dort die Inflation vorübergehend durchaus zwischen 2% bis 3% bewegen. Darüber hinaus sehe ich aber noch keine Gefahr von stark ansteigender Inflation und Zinsen, da reichlich Überkapazitäten und Unterbeschäftigung bestehen.

 Sie äusserten sich in der Vergangenheit skeptisch zu Investitionen in Bitcoin. Haben Sie Ihre Meinung zu der Kryptowährung inzwischen geändert – mit Blick auf die Aufwertung von Bitcoin auf aktuell über 60'000 Dollar?

Es ist unmöglich einen Fair Value für Bitcoin zu berechnen, da er keinen Cash Flow generiert wie z.B. Anlagen in Aktien. Ich bin daher nach wie vor skeptisch eingestellt. Bitcoin kann aber aufgrund von begrenztem Angebot und steigender Nachfrage weiter ansteigen. Es wird auch argumentiert, dass Gold ebenfalls keinen Cash Flow generiere, wobei anzumerken ist, dass Gold seit 6‘000 Jahren Vertrauen geniesst. Eine Allokation von wenigen Prozenten des Vermögens in Bitcoin ist durchaus vertretbar. Problematisch wird es, wenn Kleinsparer mit einem grossen Teil ihres Vermögens mit Bitcoin spekulieren.

Blicken wir auf das allgemeine Geschehen an den Börsen:
Wie stark beschäftigt die Corona-Krise die Finanzmärkte?

Die Finanzmärkte gehen davon aus, dass die Corona-Krise in wenigen Monaten vorüber sein wird. Schwierigkeiten mit der Immunität durch neue Corona-Mutationen könnten aber eine vollständige Öffnung der Wirtschaft verzögern.
Die Märkte sind bereits mit der Frage beschäftigt, wann die Zinsen in den USA aufgrund einer Überhitzung der Wirtschaft erhöht werden müssen. Steigende Zinsen wären schlecht für Obligationen und Wachstumswerte wie Technologie-Aktien. 

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?

Die Schweizer Börse dürfte sich insgesamt seitwärts entwickeln, weil die defensiven Indexschwergewichte aus den Sektoren Nahrungsmittel und Pharma in einem Aufschwung unterdurchschnittlich zulegen. Mittel- und kleinkapitalisierte Werte dürften hingegen stärker steigen, da sie konjunktursensitiver sind. 

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?

Der SMI wird sich leicht positiv entwickeln: Die defensiven Werte werden den SMI weiterhin bremsen, während die zyklischen Finanz- und Industriewerte wesentlich höher notieren dürften. Da diese aber im Index wenig Gewicht haben, gehe ich davon aus, dass der SMI lediglich auf 11‘700 Punkte ansteigen wird.

Die Weltwirtschaft kommt wieder in Gang – und im Zuge der Erholung haben sich Rohstoffe wie Öl, Kupfer oder Soja verteuert. Bahnt sich bei Rohstoffen eine Rally an?

Rohstoffe können von einer starken Weltwirtschaft am meisten profitieren. Zudem sind Minengesellschaften und Ölwerte historisch betrachtet sehr günstig. Die fossilen Energiewerte haben jedoch das Problem, dass sie durch die Wende hin zur alternativen Energie langfristig wenig Wachstumspotenzial bieten. Ich bevorzuge deshalb Minengesellschaften, auch weil verschiedene Metalle bei der Erzeugung und Nutzung von alternativen Energien vermehrt benötigt werden. 

Sie äusserten sich in der Vergangenheit skeptisch zu Investitionen in Bitcoin. Haben Sie Ihre Meinung zu der Kryptowährung inzwischen geändert – mit Blick auf die Aufwertung von Bitcoin auf aktuell über 60'000 Dollar?

Es ist unmöglich einen Fair Value für Bitcoin zu berechnen, da er keinen Cash Flow generiert wie z.B. Anlagen in Aktien. Ich bin daher nach wie vor skeptisch eingestellt. Bitcoin kann aber aufgrund von begrenztem Angebot und steigender Nachfrage weiter ansteigen. Es wird auch argumentiert, dass Gold ebenfalls keinen Cash Flow generiere, wobei anzumerken ist, dass Gold seit 6‘000 Jahren Vertrauen geniesst. Eine Allokation von wenigen Prozenten des Vermögens in Bitcoin ist durchaus vertretbar. Problematisch wird es, wenn Kleinsparer mit einem grossen Teil ihres Vermögens mit Bitcoin spekulieren. 

Die Zinsen von US-Staaspapieren sind seit Jahresbeginn am Steigen. Wie werden sich die Renditen von U.S.Treasury Bonds entwickeln – und was für eine Prognose machen sie zu den Zinsen europäischer Papiere wie Schweizer Bundesobligationen oder deutschen Bundesanleihen?

Die Zinsen der 10-jährigen US-Treasuries sind in den letzen 6 Monaten um 1.5% angestiegen, während sie im Euro und Schweizerfranken mit 0.3% etwas weniger zulegten. Ob sich dieser Trend fortsetzt, hängt von der Gefahr einer Überhitzung der US-Wirtschaft ab. Im nächsten Jahr könnte sich dort die Inflation vorübergehend durchaus zwischen 2% bis 3% bewegen. Darüber hinaus sehe ich aber noch keine Gefahr von stark ansteigender Inflation und Zinsen, da reichlich Überkapazitäten und Unterbeschäftigung bestehen.


Freitag, 29. Januar 2021

Börseninterview 29.01.2021 Handelszeitung

Börseninterview in der Handelszeitung 

Covid-19-Impfstoff-Hersteller wie BioNtech, Moderna oder Novavax sind letztes Jahr an der Börse hochgeschossen. Droht bei solchen Unternehmen der Kurszerfall, sobald die Pandemie abflacht?

Gut möglich, dass diesen Titeln nach den Kursprüngen kurzfristig eine Korrektur droht. Allerdings haben diese Biotechnologie-Firmen mit der raschen Entwicklung von hochwirksamen Impfstoffen gezeigt, welche Möglichkeiten in ihrer Technologie steckt. Es besteht nun die berechtigte Hoffnung, dass diese Erkenntnisse auch gegen andere Krankheiten wie beispielsweise Krebs oder HIV eingesetzt werden können. Der Sektor hat langfristig grosses Potential.


Auch der E-Autokonzern Tesla gehört zu den Stars des Börsenjahrs 2020. Wie sehen Sie die Zukunft des Unternehmens, nun da Tesla zunehmend unter Druck kommt von etablierten Herstellern wie VW und Startups wie Nio?

Der Aktienkurs ist mittlerweile so stark angestiegen, dass die Marktkapitalisierung so gross ist, wie die der folgenden sechs grössten Automobilhersteller zusammen. Tesla hat auf der Produktebene unbestritten grossen Erfolg, aber die Gewinnmarge ist zu tief und Verluste können nur durch den Verkauf von CO2-Zertifikaten vermieden werden. Die Konkurrenz wird zudem in ein paar Jahren technologisch aufholen und Teslas Wachstum bremsen. Übertreibungen in den Technologieaktien werden nicht zuletzt durch die laxe Geldpolitik ermöglicht.

Diese Woche hat die UBS ihre Jahreszahlen präsentiert, in drei Wochen wird die Credit Suisse das Ergebnis vorlegen. In welchem Zustand sehen Sie die beiden Grossbanken zum Jahresstart?

Die beiden Grossbanken sind aufgrund der stabilen Erträge im Vermögensverwaltungs- und im Hypothekargeschäft in einem sehr guten Zustand hinsichtlich Gewinn und Eigenkapital. Freilich dürften die grossen Gewinne des Investment Bankings in diesem Jahr wegen geringerer Marktvolatilität geringer ausfallen wie 2020 und die Negativzinsen sind weiterhin schwer verdaubar, weshalb versucht wird, diese zunehmend den Kunden weiterzugeben.
Mittels Digitalisierung bemühen sich die Banken ihre Kosten langfristig zu senken, wobei die grossen Institute stärker von Skaleneffekten profitieren können.

Grüne Anleihen sind laut einer neuen Studie des Verbandes Climate Bonds Initiative (CBI) weltweit beliebt wie nie. Was halten Sie grundsätzlich von nachhaltigen Wertpapieren – und gibt es in der Schweiz Möglichkeiten, in solche Titel zu investieren?

Grüne Anleihen sind ein wichtiger Schritt hin zu nachhaltigeren Anlagen und werden von den Schweizer Banken angeboten. Ihr Anteil an den emittierten Obligationen wird kontinuierlich wachsen. Zurzeit besteht jedoch das Problem, dass Anleihen allgemein stark überbewertet sind und ein sehr ungünstiges Rendite-/Risikopotential aufweisen. Generell rate ich daher zurzeit von Anlagen in festverzinslichen Papieren ab.

Kommen wir zum allgemeinen Börsengeschehen: Wie stark beschäftigt die Corona-Krise die Finanzmärkte?

Die Finanzmärkte sind seit Oktober, als Pfizer den Start der globalen Impfkampagne auf den Dezember ankündigte, davon überzeugt, dass das Ende der Pandemie absehbar ist. Seither haben konjunktursensitive Titel die Führung übernommen. Für weiteren Schub sorgen die expansive Geld- und Fiskalpolitik, wobei ein Scheitern des Konjunkturpaketes von US-Präsident Biden für Unruhe sorgen würde. Ebenfalls ist es für die Märkte wichtig, dass die globale Impfkampagne dieses Jahr durchschlagenden Erfolg hat.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?

Konjunktursensitive Werte werden sich weiterhin sehr gut entwickeln, während die defensiven Marktschwergewichte Nestlé, Novartis und Roche kurzfristig kein Kursfeuerwerk liefern können. Ich rechne deshalb insgesamt mit einer leicht positiven Tendenz.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?

Schweizer Aktien sind sehr attraktiv, da Sie gegenüber Obligationen eine hohe Risikoprämie bieten. Zudem wirkt die Geld- und Fiskalpolitik stark unterstützend, weshalb ein Kursziel von 11'800 Punkten realistisch ist.



Daniel Loebs Engagement in Disney / Performance in der NZZ

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